Familienurlaub in Kroatien und im Chiemgau: Es könnte so schön sein (und ist es eigentlich auch)

Jetzt, wo die Tage wieder kälter und kürzer werden: Zeit für ein paar warme Gedanken zu unserem diesjährigen Sommerurlaub. Empfehlungen für Eure Ferien 2023 inklusive!

Yes, we did it again: Urlaub mit/trotz Kindern! Wer dieses Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich die theoretische Idee und die Vorstellung von Familienurlaub zwar ganz wunderbar finde, die Praxis aber leider oft weit davon entfernt liegt. Hier eine Erinnerung an vergangene Ausflugsversuche:

Dieses Jahr schienen die Voraussetzungen nahezu perfekt: Meine Frau und ich konnten zur selben Zeit drei Wochen Urlaub nehmen. Meine in Berlin lebenden Schwiegereltern haben sich ein neues Ferienhäuschen in Kroatien gekauft, kernsaniert und renoviert und nutzen es ausschließlich für private Zwecke aka ihr Rentner*innendasein. Sprich: Keine Vor- oder Nachmieter*innen vor Ort, wir konnten an- und abreisen, wann wir wollen, und zahlen müssen wir dafür auch keinen einzigen Euro oder Kuna. Obwohl es von Berlin aus gute Direktflugverbindungen in die Ecke gibt, fuhren wir die 1400 Kilometer mit dem Auto hin und zurück. Um vor Ort – wie sich als weise erweisen sollte – mobil zu sein, und um dem rasanten Klimawandel möglicherweise ein bisschen weniger viel zu schaden. Ich erspare Euch an dieser Stelle meine ewigen Lamentos darüber, wieviel Stress wir trotzdem hatten, zitiere aber mich selbst mit dem ersten Absatz einer Ausgabe meiner Kolumne für das Deutsche Schulportal, in der es um das Ende der Sommerferien und den Wiedereinstieg in den Alltag aus Erwerbs-, Care- und Hausarbeit ging:

»Je näher die Sommerferien rücken und je abschließender Arbeitszeiten und Betreuungslogistik geplant sind – die wenigsten arbeitnehmenden Eltern können (und wollen) sechs Wochen Urlaub am Stück nehmen –, desto größer die Vorfreude auf den Familienurlaub: Baden! Sonnen! Bücher statt E-Mails lesen! Faulenzen! Wohlgemerkt: Sofern sie sich dies leisten können. Zahlen besagen, dass jedem fünften Mensch in Deutschland das Geld für einen auch nur einwöchigen Urlaub pro Jahr fehle, Alleinerziehende und kinderreiche Familien seien besonders betroffen. Sie sind auf Hortbetreuung oder alternative Freizeitangebote für ihre Kinder angewiesen. Doch selbst bei Verreisenden setzt, am Ort der Sehnsucht angekommen, oft die erste Ernüchterung ein: Verdammt, hier herrscht ja immer noch Alltag – zwar in anderer Umgebung, aber dafür haben wir die Kinder 24/7 an der Backe! Sofern kein „All inclusive“-Familienhotel mit Kinderanimation gebucht wurde, heißt es also: Aufräumen, Brote schmieren, Strandtasche packen, Geschwisterstreitmoderation, Wunden pflegen, über „Ninjago“ zugetextet werden, mit Sonnenmilch eincremen, Schwimmflügel an, aus, ‚Papa komm mit ins Wasser!‘, Abendessen kochen und so weiter. Oft folgen Urlaubsversuche, von denen nur erfahrene Eltern wissen, dass die mit Urlaub im Sinne von Entspannung und Me-Time nicht mehr viel gemein haben – bis die Kinder Teenager sind und ihr eigenes Ding machen. Je länger der Urlaub dauert, desto größer wird deshalb oft der entgegengesetzte Wunsch: Wann kann ich die Racker endlich wieder um 7:50 Uhr aus dem Haus schicken und „in Ruhe“ arbeiten? Es gilt, wie so oft, die viel zitierte Wohlstandsweisheit: Man will halt immer das, was man gerade nicht hat.«

That being said, möchte ich im Folgenden servicelastiger werden, erspare Euch deshalb kilometerlangen Fließtext und liste lieber unsere Haupt- und Zwischenziele mit jeweils ein paar Sätzen auf. Vielleicht ist für Euren nächsten Urlaub ja auch etwas dabei. Enjoy while/if you can!

Chiemsee, Chiemgau, Achental

Ich habe noch nie in Bayern Urlaub gemacht, geschweige denn in den Bergen. Diesmal sollte beides gleichzeitig geschehen, wenngleich allein in Form eines Stopovers: Dank der sehr freundlichen Unterstützung der Chiemgau Tourismus e.V., die mich für eine geplante Lesung aus „Väter können das auch!“ einlud und entsprechend für die Übernachtung aufkam, bekamen wir die Gelegenheit, zwei Nächte im Resort Das Achental zu verbringen. Ein rustikales Land- und Sport-Hotel, das wir ob seiner durchaus gehobenen Exklusivität als Griswolds auf Reisen eigentlich nicht in Betracht gezogen hätten – so aber umso glücklicher waren, doch einmal in seinen Genuss zu kommen. Sektempfang, Infinity Pool, Außenpool, Sauna, Fitnessräume, traumhaftes Frühstückbuffet: Wir hätten die zwei Tage das Gelände nicht verlassen müssen. Gönnt Euch auch mal, vielleicht trefft Ihr auch Profigolfer oder Fußballer der deutschen Nationalmannschaft, die das Hotel bereits als Trainingslager nutzten!

Weil wir natürlich trotzdem auch die Gegend erleben wollten, trauten wir uns auf Empfehlung hin auf einen Alm-Aufstieg. 40 Minuten sollte der nur rund 900 Meter lange Weg dauern und sei selbst mit lauffaulen Kindern gut machbar. Vorbei an Kühen mit Glocken um den Hals schafften wir es trotzdem nur unter Meckern und Beschwerden bis zur Hefter-Alm, die zwar einerseits so ausschaute, wie man sich eine Alm so vorstellt, andererseits aber zwischen Bäumen und Wäldern und Wiesen keinen Blick auf den Chiemsee bot. Für den mussten wir noch ein Stück weit höher, leider lagen Laune und Kondition zu diesem Zeitpunkt bereits tiefer. Da kam uns nach dem Abstieg der zweite Programmpunkt sehr gelegen.

Von Prien am Chiemsee aus nahmen wir ein Boot bis zur Herreninsel, dem sogenannten Herrenchiemsee. Ich wusste, natürlich, im Vorfeld nichts darüber, habe mich vor Ort aber umso leichter beeindrucken lassen: Im Neuen Schloss Herrenchiemsee, das von der Bootsanlegestelle 20 Minuten zu Fuß entfernt ist, nahmen wir an einer Kinderführung teil. Wir lernten Absurdes über den Bau dieses nie fertiggestellten und bezogenen Schlosses, erdacht von Ludwig II, der offenbar unter Größenwahn, Depressionen und der Geheimhaltung seiner Homosexualität litt. Zig Millionen Steine, die in Booten auf die Insel gebracht werden mussten. Tausende Kerzen an Kronleuchtern, die jede Nacht angezündet werden sollten. Ein „Tischlein deck dich“-Tisch, der eine halbe Stunde brauchte, um von einem darunter liegenden Stockwerk in Ludwigs Esszimmer hochgezogen zu werden, an dem der König seine sehr kalte) Suppe essen wollte – die zuvor im 15 Minuten entfernten Chorherrenstift zubereitet und hertransportiert werden musste, weil das Schloß über keine Küche verfügte.

Doch doch, Tourist im eigenen Land kann durchaus was für sich haben! Nach der zweiten Übernachtung ging es trotzdem weiter ins Ausland.

Wörthersee

Dieser Abstecher musste sein: Kurz vor der slowenischen Grenze nahmen wir die Ausfahrt Richtung Velden am Wörthersee. Meine Frau und ich wurden in den frühen Achtzigern geboren, haben beide in den frühen Neunzigern viel RTL Plus (damals hieß der Sender sogar noch ohne Internet so) geschaut und entsprechenden den folgenden Ohrwurm noch immer parat:

Für die Jüngeren unter Euch: Die an Schlagerfilme angelehnte Serie „Ein Schloss am Wörthersee“ lief von 1990 bis 1993 im Fernsehen und wurde als „Lakeside Hotel“ in über 40 Länder gekauft. In den Hauptrollen Roy Black, Uschi Glas und Pierre Brice, als Gäste in drei Staffeln von Hans Clarin, Drafi Deutscher, Jürgen Hingsen, Ottfried Fischer, Klausjürgen Wussow, Hildegard Knef, Mike Krüger, Falco, Marijke Amado, Telly Savalas und Zachi Noy ungefähr alle Schauspieler*innen und Promis, die damals im deutschsprachigen Raum Rang und Namen hatten. Was man so als Schulkind aus Mangel an Alternativen mit Oma auf der Couch guckte. Nun, 30 Jahre später, wollten wir uns das einstige Prachtstück kurz aus nächster Nähe ansehen. Und siehe da: Das Hotel ist nicht etwa ein Schatten seiner selbst. Als Falkensteiner Schlosshotel Velden markiert es noch immer das touristische Herzstück des so strahlend wie ein bissi elitär anmutenden Ortskerns. Aber wir wollten ja eh kein Wasserski, wir wollten nur ein Selfie mit dem Schloss und Roy Blacks leider beklebter Büste.

Ein Tourist am Wörthersee

Vir 

Acht Stunden, 800 Kilometer und zwei Grenzüberfahrten später näherten wir uns unserem eigentlichen Reiseziel. Vom grünen Landesinneren die Gebirgskette mit Tunneln durchquerend, fanden wir uns plötzlich in mediterranem Klima und an der Küste Dalmatiens wieder. Rund 45 Minuten nordwestlich von Zadar liegt Vir, eine von dutzenden Inseln im Dunstkreis des Nationalparks Kornati. Ich sag mal so: Vir ist ein schönes, rund 22 Quadratmeter kleines Fleckchen, von dem nur der Teil zum Festland hin besiedelt und bebaut ist – wenn bloß, wie immer und überall, die anderen Menschen nicht wären. Zur Hauptsaison entsteht der Eindruck, das auch das hier kein Geheimtipp mehr ist. Geschuldet ist dies aber vor allem der innerörtlichen Architektur, die Fußgänger*innen und Tourist*innen offenbar nicht vorsah: Die Mauern der Grundstücke schließen nahtlos an die ohnehin schmalen Straßen an, Bürgersteige gibt es nicht. Ein Spaziergang zum Strand oder sonst wo hin gleicht besonders mit Kindern einem Spießrutenlauf, einer Gefahr für alle Verkehrsteilnehmenden. Auch deshalb, weil ein erhöhtes Touriaufkommen auch immer ein erhöhtes Aufkommen von Rasenden auf Quads und Rollern bedeutet. Mit offenem Fenster schlafen ging deshalb nicht, kaum auszumalen, wie laut es wäre, wenn wir wirklich im Zentrum residiert hätten, wo Menschen aus Clubs und Bars nach hause torkeln. Aber hey: In der Nebensaison ist es hier bestimmt noch unbedingter zu empfehlen. Und das meine ich völlig ironiefrei.

Immerhin: Der nächste (nicht ganz so komfortable) Kies-Strand lag nur 200 Meter entfernt. Dort waren wir nur zum Sonnenuntergang während der blauen Stunde, weil wir eine zehnminütige Autofahrt entfernt eine Bucht aufgetan haben, innerhalb derer wir unter einer winzigen Felsklippe ein weiteres Büchtchen auftaten, das wir ganz für uns hatten. Dort war es perfekt: Wir hatten Sonne, Schatten, unsere Ruhe und das Meer zu unseren Zehenspitzen, die Kinder konnten 100 Meter durch das flache klare Wasser waten, ohne dass wir jede Sekunde hätten danebenstehen müssen. Kid A verbrachte dank Taucherbrille mehr Zeit unter als über Wasser und hat, Trommelwirbel, ein paar Meter Schwimmen gelernt, Kid B verlor seine Angst vor nassem Kopp und Gesicht und lernte Schnorcheln. Hat sich der Urlaub also schon gelohnt!

Abends blieben die Kinder trotzdem ewig auf, und wir hatten morgens wieder Stress, um nicht zu spät am Strand zu sein und unseren Traumspot wieder zu belegen. Deutsch genug, um Handtücher dort zu lassen, sind wir offenbar leider nicht. Die Location teile ich hier nicht öffentlich, aber auf Anfrage sehr gerne. Wollen doch nicht bei unserem nächsten Besuch das Nachsehen haben, weil Millionen hier mitlesende Eltern früher aufschlugen! LOL.

Nur eine Frage bleibt: Warum bloß nutzen am Strand kaum Menschen die öffentliche Toilette? Müssen die alle nicht, oder…? 🙈

Nationalpark Kornati: Bootstour auf die Dugi Otok zum Sakarun Beach

Kid A und B durften immerhin ans Steuer: Einmal schnell wieder nach Hause, bitte!

Was wir hingegen leider nicht empfehlen können, ist ein Bootsausflug zum Sakarun Beach auf der Dugi Otok, auf deutsch „lange Insel“. Im Internet wird die Bucht „mit Karibikflair“ als eine der schönsten des Landes beschrieben, auf den Flyern vor Ort sowieso, und für Fotomotive oder Bootsanleger*innen mag das auch stimmen. Während unseres Trips kamen wir uns aber erstens vor wie das, was wir waren: Touris, die in Massenabfertigung von A über B nach C gebracht und drei Stunden später wieder eingesammelt werden. Nach der knapp einstündigen Überfahrt fuhren wir in den Hafen der Ortschaft Božava ein, liefen 500 Meter bis zur Hauptstraße hoch, warteten dort auf einen schließlich überfüllten Reisebus, der uns auf die anderen Seite der Insel brachte. Mit Lunchpaketen und Wasser wurden wir für drei Stunden unserem Schicksal überlassen, was an sich nichts Schlechtes wäre. Leider traf die Beschreibung „Sandstrand“ nur auf den Teil unter Wasser zu. Die Liegeflächen waren nichts als Kies und Schotter, die ersten Reihen längst belegt, und überhaupt wirkte diese angebliche Attraktion so, als hätte hier für die Touris jemand fix eine Meile aufgekippt und drei überteuerte Bars dazu gesellt. Das Paradies sieht für uns anders aus, aber like I said, wer selbst ein Touri ist und entsprechende Angebote wahrnimmt, darf sich nicht wundern, wo der Individualismus und die Ruhe hin sind.

So sieht es am Sakarun Beach wirklich aus…
… aber das Örtchen Božava hat immerhin ein malerisch anmutendes Häfchen.

Zadar

Die Kleinstadt Zadar ist besonders / ausschließlich wegen ihrer römischen und venezianischen Ruinen in der Altstadt beliebt. In einem Stündchen ist man gemütlich durch die dortige Fußgängerzone geschlendert und hat ein Eis verdrückt, in ein bis zwei weiteren Stündchen hat man auch die mitunter pittoresken Seitengassen sowie die Hafenpromenade inklusive Ramschmarktständen und Aussichtspunkt gesehen. Ein Tagesausflug lohnt – besonders aber dann, wenn man, einmal in der Ecke, auch Nin nicht ignoriert.

Fühle mich so alt wie diese Mauer

Nin 

Das Küstenörtchen Nin ist mit nicht mal 3000 Einwohner*innen eigentlich ein Dorf und keine Stadt. Sein historischer Kern auf einer künstlichen Insel in einer Lagune besteht aus den Ruinen des einstmals größten römischen Tempels Dalmatiens. Touris und gewiss auch Einheimische schätzen Nin aber auch wegen der Wassersportmöglichkeiten, dem Strand – und offenbar auch wegen des dortigen „mineralienreichen Peloid-Schlamms“ und seiner angeblich heilenden Wirkung bei Rheuma und Hautkrankheiten. Kann ich nichts zu sagen, haben wir nicht ausprobiert, hätte ich wegen ganzkörperlicher Verschleißerscheinungen aber vielleicht mal tun sollen.

Plitvicer Seen

Beeindruckend. Nicht umsonst ein Nationalpark. Eintritt nicht ganz günstig, aber selbst die „kürzeste“, rund vier Kilometer lange Route lohnt sich – und das sage ich trotz der etlichen anderen Touris dort und trotz eigentlich lauffauler Kinder am Rockzipfel. Keine vielen Worte, nur Bilder:

Dort wurde einst auch Winnetou gedreht, der ja jüngst aus anderen Gründen wieder für Schlagzeilen sorgte. Ob die Tatsache, dass Kroatien nicht das heutige Kansas oder Kalifornien ist, auch einer kulturellen Aneignung gleicht, möchte ich an dieser Stelle lieber nicht diskutieren. Gebt Euch einfach diesen osteuropäischen Yosemite Park und dankt mir später.

Abschluss

Zurück fuhren wir tatsächlich drei Tage früher als geplant. Nicht weil es uns vor Ort nicht gefallen hätte, sondern weil wir ahnten: Kehrten wir nur einen oder zwei Tage vor Arbeitsbeginn zurück, bliebe wohl noch weniger Urlaubsgefühl als ohnehin übrig. So fuhr ich 16 Stunden durch, fragt nicht, am nächsten Tag brachten wir die Jungs zu ihren Großeltern, Freude auf allen Seiten. Meine Frau legte zuhause ein wenig die Beine hoch, ich kleingärtnerte noch alleine und in Ruhe in unserem Freitagshäuschen. So kann zumindest niemand sagen, er oder sie hätte in diesem Sommer nicht wenigstens mal kurz an sich denken können. Und ich habe Euch nun doch mit mehr Text zugeballert als wir im Urlaub wanderten. Sorry not sorry!

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