Truman in der Südsee: Alles, was Ihr bisher über „Tropical Islands“ gehört habt, ist wahr

„The I-Land“ trifft die „Truman Show“: Wir aka die Griswolds haben einen Tropenkurzurlaub in Brandenburg gewagt. Den Kindern hat’s gefallen!

Genau so sieht es dort wirklich aus: „Tropical Islands“ aus der Ed-Harris-, pardon, Vogelperspektive (Foto: PR / Tropical Islands)

Ein Ruf, der ihm vorauseilt. Erlebnisberichte Überlebender zwischen Himmel und Hölle. Lange Schlangen am Einlass. Ohne Drogen oder sehr leichte Kleidung laut Kritikern nicht auszuhalten. Das größte Feuchtbiotop Europas: Das „Tropical Islands“ gilt mitunter als das „Berghain“ unter den Ausflugszielen überforderter Hauptstadteltern. Und da ich als heimlicher Sensationstourist in den berüchtigten Technoclub aus türpolitischen und Müdigkeitsgründen vermutlich eh nie reinkäme, stand für mich seit der Geburt unseres ersten Kindes fest: Die Hallen-Südsee in Brandenburg werden wir eines Tages besuchen. Koste es (fast), was es wolle.

Als im November dieses Jahres meine Fieberträume endlich wahr wurden, geschah dies trotzdem mit Verspätung: Die mit den freundlichen PR-Referenten geplante Pressereise – das „Tropical Islands“ hat meine Familie und mich zu zwei Tagen Badeaufenthalt inklusive einer Übernachtung eingeladen, herzlichen Dank an dieser Stelle – sollte eigentlich bereits im September und damit im Spätsommer stattfinden. Aus beruflichen Gründen mussten wir schieben und wurden von den Gastgebern sodann subtil gewarnt: Der Außenbereich sei zu dieser Jahreszeit nur noch begrenzt geöffnet, die neue Surfanlage, die ich gerne testen wollte, schon geschlossen. Man formulierte die Hoffnung, dass wir „auch unter eingeschränkten Voraussetzungen trotzdem ausreichend Spaß“ haben werden. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Aber sie stirbt. (Zitat und Pointe von Nico Semsrott.)

Ich kam mir wie Clark Griswold vor

Am Tag der Anreise waren wir noch optimistisch. Es war Sonntag, die Wochenendtouristen würden bestimmt bald abreisen. Am Vorabend hatten wir erfolgreich die Sachen gepackt – mit zwei Kindern stapelt sich das Reisegepäck bei einer Übernachtung nur geringfügig tiefer als bei zwei Wochen Urlaub, Eltern kennen das – und von Kreuzberg bis nach Krausnick fahren wir mit dem eigenen Auto überschaubare 50 Minuten. Sogar die Sonnenbrille meiner Frau kam auf der A13 zum Einsatz! Selbst als wir auf die wie ein gelandetes Ufo im Nirgendwo anmutende Tropenhalle, die einst zum Test von Zeppelinen (!) gebaut und nach deren Niedergang von einem malaysischen Konzern zu einem Freizeitpark umfunktioniert wurde, zusteuern, bleiben wir so eisern wie ihre Träger: Die Sonne scheint noch immer, viele Parkplatzabschnitte sind leer und wir um 10 Uhr früh dran. Zumindest für Berliner Verhältnisse.

Im Kreisverkehr gen Osten geht es in den Süden: Einfahrtsstraße zum „Tropical Islands“ (Foto: Ines Soethof)

„Papa, wir brauchen noch Sonnencreme!“

(Kid B)

Als der Dreijährige diesen in jedem anderen Badeurlaub richtigen Satz sagt, wären wir schon fast wieder gefahren. Wir stehen in der Umkleidekabine und erleben eine trügerische Verschnaufpause. Satte anderthalb (!) Stunden standen wir am Eingangsbereich an, um überhaupt hereingelassen zu werden. Mit Winterjacken, Gepäck, zwei quirligen Kleinkindern, unter Hunderten anderen Wartenden, bei 32 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit wie in den echten Tropen, trotz reservierter Buchung. Zum Glück lauert nich Sven Marquardt als Endgegner!

An der Rezeption erklärte die unschuldige Mitarbeiterin so freundlich wie lapidar, dass halt gerade Stoßzeit sei, „vor 9 Uhr war hier heute noch nix los!“ Ich gestehe: Ich bin eigentlich recht schmerzfrei. Wenn aber selbst ich aufgrund dieses Andrangs unverbadeter Dinge fast wieder die Heimfahrt angetreten hätte, muss das schon was heißen. Die Wartezeit für eine Fahrt auf der „Velociraptor“-Achterbahn, die die Familie Griswold in der Trash-Komödie „Vacation“ in Kauf nehmen, ist gefühlt nur geringfügig länger.

Handtuchliegenwahn wie am Hotelpool auf Mallorca

Drinnen wurde die Unternehmung leider noch aussichtsloser. Nach einigen Minuten des notwendigen Spaziergangs durch die Flora und Fauna Brandsiliens und dem Begrüßen von Flamingos, Schildkröten und Vögeln kamen wir an der ausgeschilderten Südsee an: Ein 200 Meter langer aufgeschütteter Sandstrand im Halbrund, den man vor lauter Liegen kaum erkennen konnte – und dessen Liegen natürlich ausnahmslos von herrenlosen Handtüchern verbarrikadiert waren! Auf Mallorca trifft man dagegen gesittete Leute, und wir wissen wovon wir reden, wir waren dieses Jahr zweimal dort im Familien-All-Inclusive-Urlaub (und nicht am Ballermann).

Meine Frau, eigentlich Fan der Griswold-Familienkomödien, war (zurecht) sauer: „Ich wusste, dass es so wird! Warum musst Du wirklich jeden Quatsch ausprobieren?“ Ich spürte: Eine freundliche Erinnerung, dass ich ihr doch angeboten hatte, allein mit den Kindern herzufahren, weil ich ahnte, dass es ihr nicht gefiele, verkneife ich mir nun lieber, sie brächte uns nicht weiter beziehungsweise zurück. Mein Pragmatismus, die Handtücher auf einem noch freien Quadratmeter Sand in der dritten Reihe auszubreiten, um die Horizonttapete an der Hallenwand aus der Peripherie zu belächeln, stieß auf ebenso wenig Gegenliebe.

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Wir nahmen Südsee-Reißaus und flüchteten gen „Lagune“. Dreiviertel der Familie Soethof atmeten zu einem Softeis durch, während ich wie so ein Jagddackel auf Lagunenliegensuche ging. Auch dies vergeblich, versteht sich. Da stand ich nun wie Clark oder Rusty Griswold, hatte es mal wieder verkackt und wusste nicht weiter. Breite Handtücher auf dem Boden aus, führe Smalltalk mit einer Kleinfamilie und ernte sogleich Mitleid. Sie gingen nur was essen und reisten dann ab, wir könnten ihre Liegen danach haben. Echte Menschen, es gibt sie doch noch unter all den Statisten hier!

Sieht aus wie im Paradies, ist aber Brandenburg: Mangrovensumpf im „Tropical Islands“ (Foto: PR/Tropical Islands)

Die Kinder haben wirklich Spaß

Jetzt kann der Spaß ja losgehen und ich muss auch mal was Positives sagen: Die Anlage ist sauber, die Becken sind warm genug und die Lufttemperatur entgegen einiger Warnungen aus dem Freundeskreis im Vorfeld ebenfalls. Weil ich nicht nur schmerzfrei bin, sondern als Vater oft genug auch schmerzfrei sein muss, verlustige ich mich mit den Kindern sodann beim Planschen, auf den Rutschen („nochmaal!“), im Strudelstrom und unterm Wasserfall. Alleine lassen kann man sie mit 6 und 3 noch nicht, dank Schwimmflügeln und Taucherbrille aber ein paar Moves alleine machen lassen. Und um Zeit für mich zu haben, bin ich ja eh nicht hier. Naiv, dass ich überhaupt ein Buch mitgeschleppt habe.

Sieht von außen doch ganz interessant aus: „Tropical Islands“ – vielleicht aber auch das erste Foto von Leben auf dem Mars (Foto: Ines Soethof)

So vergehen immerhin zwei weitere Stunden und wir können um 16 Uhr endlich unser „Premium-Familien-Zimmer“ beziehen. Auch dies: sauber, warm, gut ausgestattet – und als aufgebockte Holzhütte über der Lagune mittendrin in der „Truman Show“-Kulisse. Für regulär 140 Euro pro Nacht pro Person gibt es nicht nur W-Lan, Saunalandschaft, Frühstücksbuffet und Badespaß inklusive, sondern einen Balkon mit Blick auf die an Eurodisneys „Santa Fe“-Kategorie erinnernden Restaurant-Attraktionen, auf die Indoor-Ballonfahrten (gegen Aufpreis) und auf den Sternenhimmel, der keiner ist. Dafür gibt es eine abendliche Laserlichtshow, die wir nach unserem Zimmerbezug vom „Tropino Kinderclub“ aus neben Spielplatz und Minikartbahn ignorieren. Pommes mit Falafel und Quark, Hot Dogs für die Kinder, damit kann man auch in echten Frei- oder Hallenbädern nicht viel falsch (und richtig) machen.

Wo ist Jack Shepard, wenn man ihn braucht?

Die Hallenkuppel kann ich aus einem anderen Grund nicht ignorieren: Es tropft unentwegt und sachte von der Decke. Badewasserdunst? Ein Leck? Oder menschlicher Schweiß? Ich weiß nicht, was mich am meisten gruseln würde. Bemerke dadurch abermals, wie eingesperrt man hier ist. Wenn jetzt jemand eine Bombe… oder die Sauerstoffzufuhr umkehrt… Pappalapapp. Als die Kinder endlich schlafen, wage ich noch einen Spaziergang durch die dunkelgrüne Wildnis. Entdecke Spinnen und Schlangen in Terrarien, einen platzierten Ballon als „einsame Insel“-Deko und würde mich nicht wundern, auf „Lost“-Anführer Jack Shepard, die D-Schauspieler aus „The I-Land“ oder Ed Harris als Truman-Erfinder Christof zu treffen.

Die eigentlichen Attraktionen für Erwachsene haben wir mangels Nerven, wirklicher Freizeit und psychischer Warmwerdung nicht genutzt. Keine Sauna, kein Solarium, kein Drink in einer dieser Kunstlichtbars, aus genannten Gründen auch kein Surf-Simulator namens Pororoca, obwohl ich den wirklich gerne mal getestet hätte. Auch draußen schwimmen waren wir nicht, weil AMAZONIA am Montag erst um 11 Uhr öffnete, wir bis dahin aber schon zwei Stunden in der um diese Uhrzeit noch erträglicheren Südsee baden und drölf Male auf Rutschen jeder Größenordnung waren und jetzt wirklich nur noch nach Hause wollten. Also wir gebeutelten Eltern, nicht die Kinder, die waren natürlich beleidigt und berichten seitdem immer wieder, wie toll sie es auf den „Tropischen Inseln“ fanden. „Is ja wie Mallorca hier!“, sagte Kid B persönlich morgens beim Anblick der mediterranen Natursteintreppe auf dem Weg zum Frühstücksbuffet. Er hat das als Kompliment gemeint.

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Es könnte bestimmt ganz schön im „Tropical Islands“ sein – wenn, wie an jedem richtigen Urlaubsort auch, die anderen Menschen nicht wären. Und keine eigenen Kinder, die trotz Nonstop-Bade-Action alle fünf Minuten was zu meckern haben. Wobei wir ohne Kinder ja gar nicht erst hergekommen wären. Dann lieber Berghain!

Tl;dr: Liebes „Tropical Islands“, es ist bestimmt sehr schön bei Euch. Wenn nur all die Menschen nicht wären.

„Tropical Islands“ – der Trailer:

Wer sein eigenes Badeglück versuchen will, dem oder der empfehle ich einen Besuch unter der Woche und der „Tropical Islands“-Homepage, auf der Ihr die aktuellen Preise für Tagestickets, Zimmer- und Zeltübernachtungen sowie Familien-Angebote findet.

Disclaimer: Wie oben im Text bereits erwähnt, handelte es sich bei unserem Ausflug ins „Tropical Islands“ um eine Pressereise. Zum freien Eintritt und zur Übernachtung wurden wir eingeladen. Ich habe aber kein Geld oder sonstwie gesonderte Vergütung für meinen Blogpost erhalten. Auch eine inhaltliche Einflussnahme fand nicht statt.

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