Jan will niemals Kinder haben

Für ein YouTube-Format namens „Deadline – Ich lasse mich sterilisieren“ habe ich als Vater mit dem kinderlosen Journalisten Jan Schipmann über seinen Plan gesprochen, sich einer Vasektomie zu unterziehen. Die komplette Folge gibt es jetzt im Stream zu sehen.

Jan und ich im Gespräch über seinen Wunsch, niemals Kinder zu bekommen. Auch wenn es nicht so aussieht: Gelacht haben wir auch! (Screenshot / Hyperbole)

„Du klingst wie ein Oberficker, der jeden Abend fünf Frauen abschleppt, dessen Penis viel zu groß für jedes Kondom ist und der deshalb berechtigte Angst hat, jemanden ungewollt zu schwängern!“

Das da oben (rechts) ist Jan Schipmann. Jan ist 33, Journalist, Single, lebt in Berlin, hat noch keine Kinder – und will auch keine haben. Ein eigentlich völlig legitimer Wunsch, soll ja jede/r für sich selbst entscheiden können. Jan ist sich aber so sicher, dass er sich einer Vasektomie unterziehen will.

Auch dieser buchstäbliche Einschnitt liegt in seiner Entscheidung. Wegen seiner Endgültigkeit – eine Umkehrung ist kompliziert, aufwändig und teuer – ist Jan aber gut beraten, sich und seinen Plan von seinem Umfeld kritisch hinterfragen zu lassen. Und das lässt er sogar öffentlich zu: Vor laufender Kamera hat er bereits mit einem Arzt, seinem Bruder, einem Mönch, seiner Ex-Freundin, einem Psychologen und einem Klimaforscher gesprochen. Die bisherigen Interviews sind unter dem Titel „Deadline – ich lasse mich sterilisieren“ auf YouTube zu sehen.

Was ich damit zu tun habe? Nun, ich habe ungefähr Jans Leben gelebt (gleiche Herkunft, gleicher Beruf, gleiche Stadt, ähnlicher Musikgeschmack), ihm aber mittlerweile zwei Kinder und sechs Jahre auf dem Buckel voraus und durfte ihm deshalb ebenfalls auf den Zahn fühlen. Ihn zum Beispiel fragen, wie er sich so sicher sein kann, dass er sich in puncto Kinderwunsch niemals ändern wird, warum er sich ein Stück Freiheit und Selbstbestimmung dadurch nehmen will, dass er behauptet, das Gegenteil zu tun – und ihn eventuell gar überzeugen, dass Kinderhaben trotz des Dauerstress, den ich nicht verschweigen will, eine ziemlich coole und sinnstiftende Sache sein kann.

Vasektomie ohne Kinder: Bist Du Dir ganz sicher, Jan?

Über eine Stunde haben wir über Themen wie Selbstverwirklichung, -aufgabe, Verantwortung und irrationale Ängste gesprochen. Ich habe Jan als reflektierten jungen Mann kennengelernt, der sich andere Standpunkte wirklich anhört. Bei allem Respekt und erneuter Betonung darauf, dass er seinen Kinderwunsch und sein Leben natürlich bitteschön so halten kann, wie er will: Ein wirklich starkes Argument für die tatsächliche Durchführung einer Vasektomie habe ich von ihm außer „keinen Bock auf die Rückstellung eigener Bedürfnisse“ und eben, ja, Angst trotzdem nicht vernommen. Ob Jan von seinem Plan abrückt, weiß ich noch nicht, ich wünsche es ihm und seiner späteren Freundin aber. Denn ich sage an einer auch in den YouTube-Kommentaren strittigen Stelle ja nicht, dass er vielleicht eines Tages einer Frau „zuliebe“ Kinder kriegen will oder gar soll. Sondern dass er sich möglicherweise aus eigenen Stücken heraus Kinder wünscht, weil er eine Frau getroffen hat, mit der er sich das plötzlich doch vorstellen kann. Soll ja vorkommen.

Der 22-minütige Zusammenschnitt unseres Gesprächs ist jetzt online. So viel kann ich verraten: So provozierend wie in der eingangs zitierten Frage, die sich auch die Redaktion der Produktionsfirma Hyperbole gleich als Intro geschnappt hat, wurde ich nicht wieder. Interessant ist das Ergebnis hoffentlich trotzdem geworden. Uuund Schnitt!

P.S.: Gewundert habe ich mich am Ende vor allem über eine Sache: Jan dankte mir aufrichtig dafür, dass ich ihm nahe gebracht habe, wieviel Spaß es mache und Erfüllung es jeden Tag bringe, Kinder zu haben. Äh… Ich bin offenbar doch kein so schlechter Lügner, wie ich immer dachte!

UPDATE: Jan hat es getan.

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