Bewegend: Taylor Hawkins‘ Sohn trommelt „My Hero“ mit den Foo Fighters

Trauer und Hoffnung zugleich: Der 16-jährige Shane Hawkins hat seinen Vater verloren, trommelte vor 85.000 Foo-Fighters-Fans an seiner Stelle und hätte Taylor Hawkins garantiert verdammt stolz gemacht.

Ein Teufelskerl: Der 16-jährige Shane Hawkins, Sohn des verstorbenen Foo-Fighters-Drummers Taylor Hawkins, macht seinem Vater alle Ehre (Screenshot YouTube)

Es war der wohl geschichtsträchtigste Moment während eines an geschichtsträchtigen Momenten nicht armen Konzerts der Extraklasse: Am Samstag, den 3. September spielten die Foo Fighters im Londoner Wembley-Stadion eine riesengroße Tribut-Show in Erinnerung an ihren im März verstorbenen Drummer Taylor Hawkins. Von Paul McCartney, Queens Brian May und Roger Taylor über AC/DCs Brian Johnson, Metallicas Lars Ulrich, Liam Gallagher, Josh Homme, Kesha, Drummer-Wunderkind Nandi Bushell, Supergrass und dutzenden Musiker*innen mehr begrüßte Dave Grohl ein rotierendes Line-up auf der Bühne, das jedem anderen Festival das Fürchten lehren könnte. Sie alle spielten Songs, die Hawkins liebte. Am bewegendsten aber wurde der Abend kurz vor seinem Ende: Zum vorletzten Song des stundenlangen Sets holten die Foo Fighters sich ganz besondere Unterstützung. Hinterm Schlagzeug nahm niemand anderes als Hawkins‘ heute 16-jähriger Sohn Shane Hawkins Platz, spielte gemeinsam mit der Band seines Vaters deren ohnehin emotionalen Hit „My Hero“ und – entschuldigt die Plattitüde – rockte dabei vor 85.000 Fans alles weg. Ex-Nirvana-Drummer Dave Grohl, der mit Hawkins 28 Jahre nach dem Suizid von Kurt Cobain bereits den zweiten Tod eines ihm nahestehenden Bandmitglieds und Freundes verkraften musste, sang dazu: „There goes my hero, watch him as he goes, there goes my hero, he’s ordinary“.

Shane Hawkins‘ Auftritt war aber nicht nur deshalb ein so emotionaler, weil der Teenager tatsächlich ein hervorragender und seinem Vater nicht unähnlicher Schlagzeuger ist – sondern, zumindest für mich, auch einfach deshalb, weil er ein Kind ist, das seinen Vater verloren hat. Einen, den es mutmaßlich wegen dessen Job als Drummer in einer der erfolgreichsten Rockbands der Welt oft über Monate hinweg nicht gesehen hat. Aber auch einem, dem ich trotz Drogenproblemen unterstelle, während seiner ja bestimmt auch andauernden Anwesenheit zwischen Alben und Touren ein guter Vater gewesen zu sein. Was auch immer das, gerade in seinem Fall, heißen mag. Ich erwischte mich jedenfalls bei dem Gedanken: Während meine Kinder von mir nur Faulheit, Fast-Food-Konsum, Planlosigkeit, Unkonzentriertheit und Aktionismus lernen könnten, hat Shane Hawkins von seinem Vater mehr als nur ein wertvolleres Talent samt Handwerk geerbt: Eben weil er Schlagzeug wie sein Papa spielt – wild, laut, energetisch, ausladend und on point – muss Shane Hawkins in seinem Vater ein großes Vorbild gesehen haben. Mein Credo und gewiss das vieler anderer Elternteile da draußen lautet hingegen: Erziehung ist der tägliche Versuch, das eigene Scheitern in Grenzen zu halten und eines Tages, wenn die Kinder ausziehen, nicht vollends versagt zu haben. Wie stolz ich als Vater auf die Stärke von Shane Hawkins wäre! Und wie stolz ich freilich schon jetzt auf unsere Kinder bin und immer sein werde, auch ohne Rockstar-Karriere ihrer- oder meinerseits.

Berührend übrigens auch zu sehen und zu hören und zu spüren, dass Shane Hawkins nach dem Tod seines Vaters mit nur 50 Jahren nicht allein zu sein scheint. Dave Grohl kündigte ihn mit folgenden Worten an: „Now, we’ve got the little guy. Let me tell you, I don’t think I’ve ever seen anyone hit the drums as hard as this person. But beyond that, he’s a member of our family and he needs to be here tonight with all of us and I think it makes sense that he’s going to come up and play with us tonight.“ Ich kann mir uncoolere Familienmitglieder vorstellen als die Foo Fighters und Teile des Line-ups beim Taylor Hawkins Tribute. Ach ja, Dave Grohls Tochter Violet Grohl trat übrigens auch auf. Their kids seem to be alright.

Für den Musikexpress schrieb ich unter dem Titel „Das grinsende Getriebe“ einen Nachruf auf Taylor Hawkins, den Ihr hier oder auf meiner anderen Webseite fabian-soethof.de nachlesen könnt.

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