„Nippli“ und „Die Höhle der Löwen“: So schlägt Carsten Maschmeyer selbst aus Bodyshaming Profit

Nipplegate 2022: Zur besten Sendezeit kriegt ein Start-up finanzielle Unterstützung, das Brustwarzen von Frauen verstecken will. Ich als Mann frage mich: Wie sinnvoll, sinnlos oder gar gefährlich kann das sein?

Die folgende Caption stammt von VOX und RTL selbst: „Miriam Weilmünster präsentiert mit NIPPLI die dünnsten Nippelcover Deutschlands. Sie erhofft sich ein Investment von 90.000 Euro für 20 Prozent der Anteile an ihrem Unternehmen.“

Als Altruist und Feminist war Unternehmer, Lobbyist und Investor Carsten Maschmeyer noch nie bekannt. Die jüngste Geschäftsidee, die er in der 12. Staffel der TV-Sendung „Die Höhe der Löwen“ auf VOX pitchen ließ und nun finanzieren will, klingt aber selbst für seine Verhältnisse nach Satire, die leider keiner ist: Das Start-up „Nippli“ bietet, Achtung, Nippel-Cover an. Brustwarzenbedeckungen, die besonders Frauen dabei helfen sollen, dass ihre, ja, Nippel nicht länger durch BHs, Bikini und Shirts durchblicken lässt. Als ob sie unschöne Fehler am eigenen Körper seien, die es zu verstecken gilt.

Vorweg: Ich bin keine Frau und habe keine Ahnung, wie groß ein potentieller Markt für so ein Produkt und die Nachfrage danach wirklich wären. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es Frauen gibt, die sich einerseits mit solchen Bedeckungen wohler fühlen als ohne und würde ihnen den Wunsch danach nie in Abrede stellen. Ich glaube andererseits aber auch, dass allein die (medienwirksame) Präsenz eines solchen Produkts im Zweifel noch mehr Bodyshaming provoziert, als dass es sogenannte Selbstliebe und Zufriedenheit mit dem eigenen Körper steigert. Es dürfte nicht wenige Frauen geben, die dadurch erst anfangen, sich darüber selbstkritische Gedanken zu machen, ob sie ihre Nippel nicht auch noch unsichtbarer machen sollten. Im analogen Leben übernimmt das Instagram ja nicht für sie.

Als vor ein paar Jahren, ebenfalls durch die Sendung „Die Höhle der Löwen“, ein Produkt namens „Pinky Gloves“ auf den Markt kommen sollte, war das Geschrei zu recht groß: Warum zur Hölle sollten sich Frauen dafür schämen, ihre benutzten Periodenprodukte zu entsorgen? Wieso brauchen sie dafür bunte EInweghandschuhe? Weshalb hatte ein ähnliches, von Frauen vorgestelltes Produkt in der Sendung zuvor keinen Erfolg? Und wie kann es sein, dass sich im Falle von „Pinky Gloves“ zwei Typen erdreisten, wissen zu wollen, was Frauen in unserer Gesellschaft brauchen – und dafür von anderen Typen auch noch finanzielle Unterstützung kriegen?

In der Causa Nippligate 2022 ist die Ausgangslage eine andere: Die Gründerin der „Love Brand“ NIPPLI ist eine Frau. Die 23-jährige Miriam Weilmünster war mit den bisherigen verfügbaren Produkten auf dem Markt unzufrieden. Ihr Ziel ist es, dass Frauen dank ihrer Erfindung Weiterentwicklung „mehr Freiheit im Alltag“ erleben können. Carsten Maschmeyer war begeistert und fragte in der Sendung, ob das Produkt auch Männer nutzen können. Tatsächlich sei dies für den Sportbereich in Planung, sagte Weilmünster. Ich frage mich hingegen, ob es folgerichtiger nicht auch Penisverkleidungen in Unterhosenform geben müsste, damit Männer in Speedos nicht mehr allen anderen Schwimmbadbesucher*innen einen Abdruck ihrer Wurst präsentieren. Nach der Ausstrahlung der Folge von „Die Höhle der Löwen“ am 5. September wurde NIPPLI zwar auch zunehmend kritisiert, auf Twitter war unter anderem von „Bodyshaming von Frauen für Frauen“ die Rede. Wenn ich aber falsch liege und mich zu unrecht wundere, warum die ganz große Aufregung darüber, anders als bei „Pinky Gloves“, bisher ausbleibt – vielleicht, weil Nippelcover für Frauen, die keine BHs tragen zumindest für einige von ihnen mehr Nutzen haben könnten als es pinke Einweghandschuhe jemals werden – klärt mich bitte und gerne hier in den Kommentaren oder auf Instagram auf. Nehme jede konstruktive Kritik dankend an.

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