„Wegducken, Elternsprecherwahl!“

Zu Beginn eines jeden Schuljahres ist vieles neu: Stundenplan, Laufzettel für den Schreibwarenladen, manchmal auch Lehrkräfte und Fächer. Auf eines aber ist Verlass: Es gibt garantiert immer einen Elternabend. Warum diese Frühabendveranstaltungen gleichzeitig wichtig und nervig sind? Hier Auszüge aus meiner neuen Kolumne für das Deutsche Schulportal.

„Ganz schlecht gerade!“ Eltern bei der Elternsprecher*innenwahl (Symbolbild)

Eltern schulpflichtiger Kinder werden bei dem folgenden Satz so müde wie ratlos nicken: Sobald die Lütten in die erste Klasse gehen, mutieren sie zu einem Brief mit sieben Siegeln. Mama und Papa erfahren auch auf Nachfrage nichts darüber, was ihre Tochter oder ihr Sohn zwischen 8 und 16 Uhr (bei einer Ganztagsbetreuung) er- und durchlebt hat. Das Bermudadreieck ist ein Witz gegen diesen mysteriösen Informationsverlust.

„Wie war es heute in der Schule?“ – „Gut.“

„Was gab es in der Mensa?“ – „Weiß nicht mehr.“ oder „Nudeln.“

„Was habt Ihr denn heute im Sportunterricht getrieben?“ – „Vergessen.“

„Und in Lebenskunde?“ – „Straßenregeln.“

Zack, aufgepasst: Bei jedem konkreteren Stichwort gilt es anzubeißen und nachzufragen! Meist vergeblich, versteht sich.

Elternabend als Informationsquelle

Dieser gefühlte Datenverlust ohne Passwort für die Back-up-Festplatte erscheint im ersten Schuljahr besonders verheerend. In der Kita konnte man beim täglichen Bringen und Abholen die Erzieherin oder den Erzieher noch mal kurz fragen, wie es denn gerade „so läuft“, was es mit dem berichteten Streit am Vortag auf sich hatte, wo die vermisste Regenjacke ist oder ob es diese Woche wirklich drei Tage hintereinander das gleiche Mittagessen gab.

In der Schule läuft das anders. Die Klassenlehrerin oder den -lehrer bekommen Elternteile im Alltag nicht zu Gesicht, der Informationsfluss ist einseitiger und fokussiert sich auf Mail-Erinnerungen, Rückfragen freilich erlaubt: „Morgen ist Kuscheltiertag!“, „In zwei Wochen schreiben wir den ersten Mathetest!“, „Am Freitag machen wir einen Ausflug in den Wald!“ Aber zum Ausgleich für diese vergleichsweise Anonymität existieren ja bekanntlich die berühmt-berüchtigten Elternabende.

In der Regel finden Elternabende in den ersten Wochen des jeweils neuen Schuljahres statt. Die Lehrer:innen lernen so die Mamas und/oder Papas ihrer Schüler:innen kennen und umgekehrt, die Eltern sich auch untereinander: „Ach, du bist die Mama von Karlchen? Unsere Milli will sich gerne mal mit ihm verabreden!“ Vor allen Dingen aber handelt es sich bei Elternabenden um Informationsveranstaltungen über grundsätzliche Abläufe und Pläne in den kommenden Monaten. Für Ersti-Eltern sind diese meist auf eine Stunde angesetzten und tatsächlich zweieinhalb Stunden dauernden Frühabend-Events noch echte Highlights, weil ja alles neu und anders ist.

Für Eltern von Drittklässlerinnen und Drittklässlern, zumal in JüL-Klassen – also jahrgangsübergreifenden Lerngruppen – wie bei unserem großen Sohn hält sich der News-Wert, bei allem Respekt, in Grenzen: Das Personal stellt sich und die TOPs vor, die Eltern sich selbst und ihre Kinder. Danach geht es beim Elternabend um Hausschuhe, angespitzte Bleistifte, Pausenzeiten, Klassenfahrten und deren Finanzierung, Schulessen und so weiter. Wichtige Themen, keine Frage. Ich zum Beispiel war dieses Jahr aber zugegebenermaßen auch vor Ort, um vor Ort und nachweislich interessiert gewesen zu sein – und um das alljährliche High- und Lowlight eines jeden Elternabends zu erleben: Elternsprecherwahl!

(…)

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