Lasst die Hausaufgaben in der Schule!

Für das Deutsche Schulportal darf ich nun Kolumnen schreiben. Hier ein Auszug aus der ersten, in der es um Hausaufgabenstress geht, der niemandem guttut. Und da habe ich von klaffender Chancenungleichheit noch gar nicht mal gesprochen.

Hauptsache kein Mathe: Hausaufgaben von Zweitklässlern (Symbolbild)

Bevor unsere Kinder in die Schule kamen, sah ich ihrer und unserer Zukunft recht blauäugig entgegen: Noten, Wissen und die schlechte alte deutsche Tugend der Gehorsamkeit – das würde mir alles egal sein. Am wichtigsten sei es doch, dass unsere Jungs zu selbstbewussten, selbstbestimmten, aufrichtigen, empathischen und kreativen Individuen heranwüchsen. Nun, während unser Erstgeborener bald in die dritte und sein kleiner Bruder in die erste Klasse kommt, sehe ich das noch immer so. Ich spüre bloß: Unser Schulsystem teilt diesen Ansatz nur bedingt.

Ob in staatlicher oder privater Trägerschaft, ob nach Montessori, Waldorfpädagogik oder mit einem Inklusionsschwerpunkt: Früher oder später kommt der Punkt, an dem das Lehrpersonal ein Häkchen hinter die Vermittlung von bestimmten, im Rahmenlehrplan vorgesehenen Inhalten setzen muss. Das mag theoretisch sinnvoll sein, soll dies doch Kompetenzen vermitteln, mit denen Schüler*innen eines Tages den „gesellschaftlichen Anforderungen gewachsen“ sein sollen.

Praktisch aber heißt dies, selbst für Eltern von Erst- und Zweitklässlern wie uns, erstens, dass individuelle Förderschwerpunkte nur punktuell gesetzt werden können: Wenn der Sohn zum Beispiel so gut und gerne wie ein Viertklässler lesen kann, aber keinen Bock auf Mathe hat, dann kriegt er bald Probleme. Und damit es nicht so weit kommt, heißt dies für uns zweitens: Wir setzen uns zwangsläufig schon mit einem Achtjährigen am Nachmittag an den Tisch und üben Addition und Subtraktion mit Zehnerübergang sowie das kleine Einmaleins. Obwohl er und wir lieber anderes täten.

Damit mich niemand falsch versteht: Ich will meinem Sohn das Lernen nicht verweigern – im Gegenteil! Was 3 mal 9 ergibt und 61 minus 12, weiß ich auch. Aber ich bin sein Vater. Kein Lehrer, kein Pädagoge. Ich weiß nicht, wie ich ihm am sinnvollsten den Rechenweg erkläre und wie ich ihn ohne Druck oder Belohnungssystem dazu motiviere, sich für wenigstens zehn Minuten zu konzentrieren – und das an einem Nachmittag, nachdem er schon acht Stunden in Schule und Hort verbracht hat und ich pausenlos gearbeitet habe. Ich befürchte, dass wir einem Zweitklässler – zumal einem, der ohnehin schon jetzt keine Lust auf Schule hat – und uns als Familie damit keinen Gefallen tun.

(…)

Weiterlesen? Die komplette, im Juni 2022 erschienene Kolumne findet Ihr unter www.deutsches-schulportal.de/kolumnen/fabian-soethof-lasst-die-hausaufgaben-in-der-schule/.

Wie seht Ihr das? Machen Euch Hausaufgabenhilfe und -motivation etwa Spaß? Oder seid Ihr danach nervlich so richtig schön am Ende wie ich und freut Euch schon deshalb auf die jeweils nächsten Schulferien?

P.S.: Wen ich zu diesem Thema ganz werbefrei und aufrichtig empfehlen möchte, ist Lerncoach Caroline von St. Ange und ihr Instagram-Account. Ihre Tipps und Denkanstöße sind angenehm und nachvollziehbar, wenngleich in der Praxis trotzdem nicht ausnahmslos umsetzbar.

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