Dieser wahnsinnige Mann mit Mozartperücke hat meine Kinder beleidigt

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Hat sichtlich Spaß am Mobbing der jüngsten Zuschauer vor Ort (gegen die Alten teilte er aber auch aus): „Halt ihnen einfach den Mund zu! Sie werden sich später nicht daran erinnern!“, bittet mich Anarcho-Comedian Fil beim Parkfest von radioeins. Eventuell haben wir mit unseren Kindern nun alles erreicht.

Das ist Mazart, der Mozart aus Marzahn: Fil, der eigentlich aus dem Märkischen Viertel kommt (Screenshot: Facebook/radioeins)

Das ist Mazart, der Mozart aus Marzahn: Fil, der eigentlich aus dem Märkischen Viertel kommt (Screenshot: Facebook/radioeins)

Wenn mich wer fragte, wer der lustigste Mensch Berlins ist: Ich würde Fil antworten. Fil heißt eigentlich Philip Tägert, kommt aus dem Märkischen Viertel, ist Zeichner, Comedian und Buchautor, 51 Jahre alt (sieht aber aus wie 45) und in der Hauptstadt, wie er selbst weiß, eine ziemliche Kultfigur. Er hat neben dem Kackofant, der Handpuppe Sharky, seiner Bühnenfigur Mazart, dessen Schwester Nannerl und etlichen anderen „Characters“ die Comicschweine Didi & Stulle erfunden, denen das Stadtmagazin „zitty“ jahrelang ein Zuhause gab. Sein aktuelles Bühnenprogramm heißt „Triumph des Chillens 2“, auch damit tritt der Lokalroutinier wieder im Mehringhoftheater, ein paar anderen Ecken Kreuzbergs und manchmal sogar außerhalb der Stadtgrenzen auf. So speziell sein Berliner Humor über Berliner auch sein mag (meine Mutter hat nicht einmal gelacht, als ich sie einst mit auf eine Show nahm): Fil hätte längst ein deutschlandweit anerkannter Komiker werden können. Wenn nicht mutmaßlich stimmen würde, was Kurt Krömer mir vor Ewigkeiten mal in einem Interview sinngemäß über ihn sagte: Fil reißt Deadlines, Fil bleibt im Herzen immer Punk, Fil hat keinen Bock auf Kompromisse oder Kooperationen – Fil ist wohl einfach zu faul oder wahlweise zu aufrichtig für eine größere Karriere.

Für einen Besuch beim Parkfest des Berliner Radiosenders radioeins im Gleisdreieckpark, also gleich bei uns um die Ecke, hat seine Energie auch dieses Jahr gereicht: Am Samstag sollte er von 20 Uhr bis 21 Uhr live auftreten, schlussendlich stand er von 20:10 Uhr bis 20:50 Uhr auf der Bühne. Er gab ein Best-Of seines Klassik-Raps, seines Songs für stillende Mütter und seines „Is‘ eigentlich kalt draußen?“-Rants zum Besten – und bewies nebenbei, dass er es mit Kindern nicht so hat oder eben ganz besonders.

„Scheiss in vitro, kriegste gleich Zwillinge!“

Als ich mit Kid A und Kid B die erste Reihe vor der Bühne enterte, begrüßte Fil uns persönlich, in dem er uns dem Publikum vorstellte: „Die Kinder haben Kopfhörer auf, damit sie NOCH LAUTER reden!“, sagte er. In der kommenden halben Stunde ließ er sich außerdem zur Aufforderung „Halt ihnen einfach den Mund zu! Sie werden sich später nicht daran erinnern!“ und der theoretischen Beleidigung „Scheiss in vitro, kriegste gleich Zwillinge. Schwer zu händeln!“ (Minute 16:40, siehe unten) hinreißen. Weil die Jungs trotz Altersunterschied aus zwei Meter Höhe im Halbdunkel offenbar Ähnlichkeit haben. Meine Antwort „Besser als keine!“ hat der Mann mit der Mozartperücke überhört.

Wer nun denkt, dass ich das hier aufschreibe, um Fil bloßzustellen und mich über seine Sprüche öffentlich aufzuregen, der kennt Fil nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Haha, unsere Kinder sind von fucking Fil beleidigt worden! Möglicherweise haben wir nun alles im (Berliner) Leben erreicht.

Auf Facebook entschuldigte Fil sich übrigens einen Tag später. „Mann, das tut mir im nachhinein WIRKICH leid!“, kommentierte er auf der Seite von newkidandtheblog.de. Wer’s glaubt!

Auf der Facebook-Seite von radioeins wiederum ist der Auftritt von Fil in ganzer Länge zu sehen – inklusive uns sowie Fils Plädoyer für oder gegen stillende Mütter:

Dass Fil mindestens von Klischee-Eltern aus Berlins Bezirk Prenzlauer Berg eventuell nicht viel hält, dürfte Kennern seines Programms nicht verborgen geblieben sein. Seit Jahren hat Fil unter anderem die fiktive Kampfansage „Mein Kind ist geiler als Dein Kind“ im Repertoire, darin so formvollendete Zeilen wie „Wenn mein Kind rappt, hört Jimi Blue zu. Dein Kind ist Jimi Blue“.

Beim Parkfest von radioeins brachte er sein Unverständnis anders auf den Punkt: „Ihr werft die Ossis aus ihren Wohnungen und bringt dort neue zur Welt. Das ist nicht clever!“ Gefolgt von Schwaben-Bashing. Ja, selbst der lustigste Mann Berlins kommt nicht ohne Klischees aus. Aber keiner benutzt sie so absurd, überhöht und treffsicher wie er. Der Kerl, der mittlerweile selbst in Prenzlauer Berg lebt und eine Tochter hat.

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