Wochenendpapas sind nicht cool

»Ihr feiert Väter, die sich alle sechs oder sieben Tage mal zwei Stunden länger als sonst mit ihren Kiddies vergnügen, damit Mama kurz mal „Zeit für sich“ hat? Think again.« Hier ein Auszug meines zweiten Textes für LittleYears.de, in dem es um so genannte Spielplatzhelden und Fun Dads geht.

father and son playing football on the field
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Auf Instagram und im analogen Leben außerhalb sozialer Medien werden sie oft bejubelt: Wochenendpapas. Selbst- oder fremderklärte Spielplatzhelden, die sich am Samstagmittag ihre Kinder schnappen und mit ihnen zwischen Abenteuerpark, Bolzplatz und Freibad Quality Time verbringen. Bestimmt beziehungsweise hoffentlich, weil sie das wollen. Gewiss aber auch, damit Mama mal drei Stündchen Ruhe hat. „Zeit für sich“, in der sie ständig auf die Uhr guckt, oder, schlimmer, aufräumt, die Wohnung putzt und das Abendessen vorbereitet. Ist doch nett und cool von ihnen? Schließlich würden sie sich eigentlich gerne von ihrer anstrengenden Arbeitswoche erholen und mit den Kumpels ins Stadion? Natürlich sind solche Väter besser als solche, die sich GAR NICHT kümmern. Aber, sorry not sorry: Cool sind diese Kerle deshalb nicht. Sie sind keine Helden. Sie machen damit das Mindeste und das Einfachste. Aufholen und verstehen, was sie als zuhause abwesende Vollzeitarbeitnehmer von Montag bis Freitag im Alltag verpassen, also all die Quantity Time, die meist Mütter investieren und währenddessen noch Druck und bestimmt auch den Wunsch verspüren, mit ihren Kindern ebenfalls Quality Time zu erleben, können sie damit nicht.

Ich kenne Väter und lese viel zu oft von welchen, die schon beim Gedanken daran verzweifeln, dass ihre Frau nicht nur mal zwei Stunden abstinent, sondern ein ganzes Wochenende, geschweige denn eine Woche verreist ist und sie sich in dieser Zeit allein um ihre Kinder kümmern sollen. Und wenn ihre Frauen sich eine solche Auszeit – könnte übrigens ja auch eine Arbeitsreise sein – dann wirklich nehmen, managen die aus der Ferne seine To-Dos mit, weil der so genannte Mental Load schon immer auf ihren Schultern lastete, er drei Kreuze macht, wenn sie wieder da ist und alles danach so wenig gleichberechtigt weiter läuft, wie davor. Don’t get me wrong: Wenn Paare sich bewusst und beidseitig aufrichtig für diese Aufteilung entschieden haben, bitteschön, go for it. Ich behaupte aber, dass viele in die klassische Rollenverteilung reinrutschen. Danke für Nichts, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Patriarchat.

Ich kenne alleinerziehende Mütter, die den Vater ihrer Kinder förmlich dazu überreden müssen, die Kinder auch mal länger als einen Nachmittag zu nehmen und die, wenn er einen Kurzurlaub mit ihnen plant, bis zur letzten Minute bangen müssen, ob die Reise wirklich stattfindet. Und, okay, ich sehe täglich auf dem Schul- und Kindergartenweg (teilweise überraschend entspannte) Mütter, die ihre Kleinen durch den Kiez bugsieren, während ich deren Vater in Monaten oder Jahren noch nie gesehen habe, obwohl ich weiß, dass es ihn gibt. All das mögen Ausnahmen sein. Aber sie zeigen, dass Väter sich viel leichter aus ihrer Rolle sneaken können, als Mütter. Dass sie Applaus für Dinge kriegen, für die Mütter strenge Blicke ernten würden: „Was, sie unternimmt nur am Wochenende mit ihren Kindern etwas? Sie kommt abends erst heim, wenn sie ins Bett gehen, liest dann nur noch etwas vor?“ Merkt Ihr selbst, ne.

Ein Teufelskreis: Die Probleme heißen Gender Care Gap und Gender Pay Gap

Die Schieflage dahinter hat einen Namen. Sie heißt Gender Care Gap. Dazu möchte ich, auch auf die Gefahr hin, hier bei Little Years Eulen nach Athen zu tragen, mindestens für die mitlesenden Männer kurz ausholen: Care-Arbeit ist in der Regel unbezahlte Arbeit in Haushalt, Kinderbetreuung, Pflege und sozialem Engagement – die mehrheitlich von Frauen übernommen wird. Hier wird strukturelle Benachteiligung messbar. Im Jahr 2019 lag der durchschnittliche Gender Care Gap bei 52,4 Prozent: So viel mehr Zeit als Männer wendeten Frauen täglich für unbezahlte Care-Arbeit auf.

(…)

Weiterlesen? Den kompletten Text, in dem es unter anderem um die Bezahlung von Care-Arbeit geht, lest Ihr drüben bei LittleYears.de. Folgt Marie und Isabel auch gerne auf Instagram. Und mir sowieso!

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