Wieso mein Instagram-Account einst plötzlich verschwand (weiß ich bis heute nicht)

Der Albtraum eines jeden Influencers: Mein Instagram-Account war eines Tages verschwunden. Was tun? Über die Hilflosig- und Abhängigkeit eines Social-Media-Bedürftigen.

Folgt mir lieber schnell, bevor diese formschöne Seite schon wieder weg ist!

Folgt mir lieber schnell, bevor diese formschöne Seite schon wieder weg ist!

Wäre ich ein Influencer, mein Leben wäre am 24. August 2018 die Hölle geworden: An jenem Tag verschwand mein Instagram-Account. Kein Abschiedsbrief, kein „Tschüss!“, nicht mal ein „Ich bin kurz Kippen holen“. Nichts. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass unsere Beziehung noch sehr frisch und ich von Beginn an nachlässig mit ihr war. Lächerliche fünf Posts und 40 Follower versammelten wir in drei Wochen. Da wäre schon noch mehr gegangen – aber wir hätten doch darüber reden können!

Am Day Zero erschien plötzlich eine leere Seite: „Dieser Account ist nicht verfügbar“, hieß es in der App und unter der URL www.instagram.com/newkidandtheblog.de. Da ich schon länger nicht mehr betrunken online war, schloss ich eine versehentliche Löschung meinerseits aus. Es musste sich um einen Fehler seitens Instagram handeln. Oder hatte mich gar wer gemeldet und sperren lassen? Aber wofür? Die Pimmelbilder kamen doch erst noch! Und wenn doch, hätte ich nicht eine Warnung von Instagram dazu kriegen müssen? Vom Hausverbot in der Großraumdisco informiert mich doch auch der Türsteher persönlich, bevor er mich im Regen stehen lässt!

Doch doch, es musste sich um einen Server-Schluckauf handeln. Bekräftigt in dieser Annahme wurde ich von Lesley und Fenja, auf deren Eco-Magazin „Peppermynta“ ich über Google landete. Ihnen passierte das gleiche unter erschwerteren Vorzeichen: Sie hatten bis zum Tage ihres Blackouts damals bereits 10.000 Follower und ein kleines Geschäft mit Instagram aufgebaut. Auch Alex von „regesleben.com“ und unzähligen weiteren Usern ging es ähnlich. Viele berichteten, dass ihre Seite nach ein oder zwei Tagen wie von Geisterhand so plötzlich wieder da war, wie sie verschwand.

Als aber nach zwei, drei, vier Tagen noch immer nichts passierte, wurde ich unruhig. Schon an Tag 1 meldete ich ein Problem über die App – keine Reaktion. Ich twitterte Instagram an – ohne Antwort. Ich schickte gar eine Mail, die wohl im Palo-Alto-Nirvana versandete. Und ich haute einen alten Bekannten an, der dort arbeitete, aber auch nicht helfen konnte (oder mir seinen Einsatz bis heute verschwieg). Klar, ich bin der kleinstmögliche Fisch in Facebooks Datenmeer, aber nichtsdestotrotz ein Fisch und damit ein Kunde. Dass es selbst für größere Accounts schwer bis unmöglich ist, dort jemanden zu erreichen, weiß ich nicht nur durch ergoogelte Nutzer, die ähnliche oder andere Probleme mit einem von Facebooks Diensten hatten, sondern auch durch Erfahrungen bei meinem Arbeitgeber: Eine Hotline bei allgemeinen Problemen gibt es auch für Medienmarken wie uns nicht. Aber sobald wir Summe X in Werbeanzeigen schalten, wird uns ein persönlicher Support zur Seite gestellt.

Wo man Instagram Feedback bei Problemen geben „darf“

Offizielle Informationen darüber, warum Seiten plötzlich verschwinden, gibt es keine. Es gibt auch keine konventionellen Kontaktmöglichkeiten. Die einzige Option, die man hat, ist eine technische Fehlermeldung innerhalb der Instagram-App. Die Feedback-Funktion ist gut versteckt:

  • rechts oben in deinem Profil neben dem Account auf die drei „Mehr“-Striche klicken
  • unten rechts auf „Einstellungen“
  • runter scrollen bis auf „Hilfe“
  • weiter auf „Problem melden“
  • auswählen zwischen „Spam oder Missbrauch“, „Etwas funktioniert nicht“, „Allgemeines Feedback“ oder „Abbrechen“
  • bei „Spam oder Missbrauch“ wirst du weitergeleitet auf help.instagram.com und kannst dort Inhalte melden zu verschiedenen Themen wie etwa „Gehackte Konten“, „Minderjährige Kinder“, „Geistiges Eigentum“, „Selbstverletzung“ und so weiter, sogar „Hilfe bei Opioid- oder Medikamentenmissbrauch“ wird angeboten (u.a. wegen Lil Peep?)
  • bei „Etwas funktioniert nicht“ räumt Instagram dir ein Formularfeld frei, in dem du kurz schildern sollst, was passiert ist. Habe ich getan.
  • bei „Allgemeines Feedback“ erscheint ebenfalls ein freies Formularfeld. Ein bisschen wie ein Gästebuch, dessen Inhalt niemand lesen kann.

Nach der Erfahrung von mir und garantiert tausenden anderen Usern könnt ihr in jedem Fall auf „Abbrechen“ klicken. Die Aussicht auf wirklichen Support scheint dort nämlich ungefähr so groß, wie ein frischgezapftes Bier zu kriegen, wenn ich den Wunsch in einen Wald hinein rufe. Klar, bei offiziell über einer Milliarde Nutzern weltweit, von denen über 700 Millionen monatlich aktiv sind und 15 Millionen davon in Deutschland, ist es praktisch unmöglich, einen für alle ausreichenden Support einzurichten. Eine derart demonstrative Unerreichbarkeit aber wirkt so selbstgefällig und userunfreundlich, wie sie für das Unternehmen offenbar praktikabel ist.

Lieber ein Blog als ein Instagram-Account – zumindest aus technischen und datenschutzrechtlichen Gründen

Wer bis hierher gelesen hat, weil ich oben anteaserte, es ginge auch um „die Hilflosig- und Abhängigkeit eines Social-Media-Bedürftigen“, den muss ich enttäuschen: Die geschilderte Instagram-Zwangspause ärgerte mich zwar und ließ mich über Sinn und Unsinn vom Streben nach Digitaldarstellung und -Wachstum nachdenken – aber eigentlich war es halb so wild. Privat nutzte ich Instagram seit Jahren, der Account für mein Blog war bekanntlich nagelneu und deshalb noch keine Herzens- und Zahlenangelegenheit. Das Ende ist ja ebenfalls bekannt: Auch meine Seite tauchte nach fünf oder sechs Tagen wieder auf, als sei nichts gewesen.

Wäre ich ein Influencer, ich hätte in diesen Tagen tausende von Euro verloren beziehungsweise nicht verdient. Und oh Gott wer weiß wie viele Follower enttäuscht, die nach neuen Nichtigkeiten von mir gieren! So aber erhielt ich eine Lehrstunde in Sachen technischer Abhängigkeit: „Unterhaltet lieber ein Blog als nur Social-Media-Accounts. So bleiben die Inhalte bei Euch!“, sagte mal irgendwer vor Jahren auf der re:publica, als Facebook noch wuchs und wichtig war. Ich glaube, es war Sascha Lobo 2010 oder 2011. Wie gut, dass ich mich seit einer halben Internetewigkeit (auch) daran halte. Würden diese Seite doch hier nur so gut besucht werden wie Instagram!

Als Dank für Nichts und um trotzdem meinen Teil zu einer goldenen gemeinsamen Zukunft beizutragen, möchte ich Instagram noch ein paar unter Elternusern bald bestimmt sehr angesagte Hashtags schenken:

#Verkeinbarkeit

#GenderPlayGap

#InWürdeEltern

Copyright liegt hiermit bei mir. Gern geschehen!

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Hihi, ein Pimmel! Gleich mal ein Selfie. Ein Pelfie, sozusagen! ROFL! Dieses Foto entstand Montagabend in einer Turnhalle in Neukölln, in der ich einmal pro Woche Basketball spielen gehe. Zwei Stunden Freizeit, die ich mir mit Baby daheim nach der Arbeit lange Zeit nicht erlauben konnte oder wollte, die nun aber, da Kid A und Kid B zumindest aus dem Allergröbsten raus sind (sie essen und spielen alleine und fallen nicht mehr jede Sekunde hin, sondern nur noch ein paar Mal pro Stunde), umso wohler tun. Dem alten Körper und dem müden Geist! Hat aber noch einen anderen Anlass, warum ich hier ein Penisbild poste: Ich habe auf Netflix beide Staffeln der hervorragend hanebüchenen Mockumentary „American Vandal“ gesehen und finde, Ihr solltet das auch tun: Darin geht es um einen Highschool-Klassenclown, der verdächtigt wird, dicks auf Lehrerautos gesprüht zu haben. Und darum, wie sehr ein bestimmter Ruf die Schulzeit unserer Kinder bestimmen kann und was Instagram, YouTube und Co. damit zu tun haben. Spoiler: viel. Detaillierte Eindrücke über „American Vandal“ habe ich in einem neuen Blogpost aufgeschrieben, #linkinbio. Da gibt es auch besagte Pimmelbilder, LOL! >>> https://www.newkidandtheblog.de/2018/10/09/american-vandal-netflix-kritik/ <<<

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