Was Susan Silver über Frauen in der Rockmusikbranche sagt

Sie verhalf Soundgarden, Alice in Chains und indirekter auch Nirvana zum Durchbruch, ihren Namen kennen außerhalb der Grungeszene Seattles nur wenige: Bandmanagerin Susan Silver im Musikexpress-Interview über patriarchale Strukturen, Frauen, die den Laden schmeißen und ihre Tochter, Influencerin Lily Silver Cornell, im Interview. Ein Lesetipp.

photo of seattle skyline
Einst Epizentrum des Grunge, einer leider auch männlich dominierten Spielart des Rock: Seattle (Photo by Chait Goli on Pexels.com)

Der Name „Godmother of Grunge“ drängt sich auf: Susan Silver war in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern maßgeblich daran beteiligt, dass Bands aus der Rockszene Seattles zu teils ungewolltem Weltruhm kamen. Sie managte Soundgarden, Screaming Trees und Alice in Chains. Anlässlich eines Specials zum Thema „30 Jahre Grunge“ im Musikexpress, für den ich hauptberuflich arbeite, sprach Journalist Torsten Groß im exklusiven Interview mit Silver über ihren verstorbenen Ex-Mann Chris Cornell, Frauen in der zweiten Reihe und die verpasste Chance, Nirvanas Management zu übernehmen. Anlässlich des Todes von Ex-Screaming-Trees-Sänger Mark Lanegan wiederum habe ich dieses Gespräch nun auf musikexpress.de veröffentlicht.

Warum ich davon hier, auf einem Elternblog, berichte? Nun, erstens ist Lily Cornell Silver, die gemeinsame Tochter von Susan Silver und Chris Cornell, heute eine Influencerin und betreibt den Mental-Health-Podcast „Mind Wide Open“ – nicht das Schlechteste, was eine 20-Jährige (besonders mit dieser Reichweite und dieser Familiengeschichte) so tun kann, wie ich finde. Zweitens fiel mir beim Lesen besonders eine Passage auf: Torsten Groß spricht mit Susan Silver auch über die mutmaßliche Wokeness einer Szene, in der Machismen und Sexismus anders als anderswo im so genannten Rock’n’Roll offenkundig keine Rolle spielten – das Patriarchat aber auch dort vorherrschte. Aus ihrer Erfahrung heraus zeigt sich, was bis heute gilt: Selbst in vermeintlich fortschrittlichen Szenen, Branchen und Gruppierungen müssen Frauen oft doppelt so hart wie Männer für die gleiche Anerkennung arbeiten. Eine oft übersehene, aber immer noch weit verbreitete Tatsache, die leider auch das baldige Dasein meines Buches „Väter können das auch!“ legitimiert, wie ich finde.

Hier ein Auszug des Gesprächs von Torsten Groß und Susan Silver:

Aus heutiger Sicht könnte man die Seattle-Szene als „woke“ bezeichnen, trotzdem gab es kaum prominente Frauen im Grunge. Hast du dafür eine Erklärung?

Es gab und gibt haufenweise großartige Frauen in Seattle, Musikerinnen, Promoterinnen, Clubbetreiberinnen, Journalistinnen. Das sind die unbekannten Heldinnen dieser Zeit, denen ihr Platz in den Geschichtsbüchern zu Unrecht verwehrt blieb. Nehmen wir etwa Megan Jasper. Sie leitet Sub Pop seit über 25 Jahren. Bruce Pavitt und Jonathan Poneman sind natürlich die Aushängeschilder, aber sie schmeißt den Laden. Nicht alle von diesen Frauen konnten damals von ihrer Arbeit leben oder waren erfolgreich, aber das bedeutet nicht, dass sie weniger brillant oder kreativ waren.

Das bestätigt aber ja nur die in meiner Frage implizierte These, dass selbst eine eher linke Rockszene wie Seattle letztlich patriarchalisch organisiert war.

Es war und ist ein sehr weiter Weg, bis wir Frauen endlich die Anerkennung in dieser Branche bekommen, die uns zusteht. Wir müssen doppelt so hart arbeiten wie Männer, um ähnlich wertgeschätzt zu werden, das war damals eine simple Tatsache und ist es zum Teil heute noch. Innerhalb der Szene selbst haben wir aber nicht so gedacht.

Du hast als Pionierin für Frauen in dieser Branche Beträchtliches geleistet.

Ich hatte aber wirklich auch eine Menge Glück. Wir haben einen Nerv getroffen. Die guten Leute in dieser Industrie, die es ja auch gibt, haben erkannt, dass dieser neue Sound wichtig war, wir haben überall auf der Welt offene Türen eingerannt. Und ich hatte wiederum die Unterstützung einiger wunderbarer Frauen, ohne die ich nicht so erfolgreich hätte werden können.

Wen würdest du hervorheben wollen?

Die Bedeutung von Sharon Osbourne als meine Mentorin kann ich gar nicht hoch genug einschätzen. Sie hat mir beigebracht, wie man den Job mit Stärke und einer gewissen Strenge macht – beides ist essenziell – und trotzdem nicht verhärtet. „Mach einen guten Job und zeig es allen, mach keine Gefangenen, aber begib dich niemals in Konkurrenz“, das habe ich von ihr gelernt.

(…)

Lest hier das komplette Interview.

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