Der Kiez im Kinderzimmer: Wie Euer Wohnviertel auf einem Autoteppich landet

Ob Kreuzberg oder Kerken-Nieukerk: So könnt Ihr Euren Kiez auf einem Autoteppich verewigen und personalisieren. Ein Produkttest.

So sieht ein selbstgestalteter Teppich in der Theorie aus. Unten seht Ihr das Ergebnis in der Praxis. (Screenshot)

So sieht ein selbstgestalteter Teppich in der Theorie aus. Unten seht Ihr das Ergebnis in der Praxis. (Screenshot)

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Von Autos habe ich noch weniger Ahnung als von Schwangerschaften. (Autos interessieren mich nicht sonderlich und sind bloß Mittel zum Zweck, was ich von einer Schwangerschaft wiederum nie behaupten würde. Frauen, die mindestens eine durchgemacht haben, sind da womöglich anderer Meinung. Was ich sagen wollte: Absurd, dass ich trotz meiner Ahnungslosigkeit neulich in einem Auto-Podcast zu Gast sein durfte.) Geschlechterspezifisches Spielzeug halte ich auch für überholt. In Inneneinrichtungsfragen hat meine Frau das letzte Wort, meistens auch das erste. Eine Sache war für mich aber klar, als wir erfuhren, dass Kid A ein Junge wird – und nach Kid B erst recht: Das Kinderzimmer braucht einen Autoteppich.

Ich hatte vor rund 30 Jahren selbst mal einen Autoteppich und bin gebrandmarkt: Auf jenem Teppich, der bei Nichtbenutzung eingerollt hinter der Eckbank in Omas Fernsehraum, wie ihr Wohnzimmer hieß, weil das eigentliche Wohnzimmer ein toter Raum war, wo bloß unbenutzte Möbel und das Telefon standen, seit ihr Mann tot war, lag, gab es eine Spielplatzrutsche. Der Anblick dieser Rutsche hat mich wahnsinnig gemacht: Je nach Perspektive zeigte ihr räumlich dargestelltes Podest in die eine oder andere Richtung. Je länger ich also daraufstarrte, desto öfter änderte die Rutsche in meinen Augen ihre Form, und ich weiß bis heute nicht, ob diese Täuschung meinem räumlichen Seh- und Denkvermögen geholfen oder geschadet hat. Zum Glück ist dies nicht das einzige, an das ich mich erinnere: Es gab darauf auch, Jahre vor „Sim City“, Straßen, einen Kreisverkehr, Häuser, Parkplätze, einen Hubschrauberlandeplatz, das ganze übliche Zeug halt. Ich glaube, das Spiel mit so einem Teppich und der darauf existierenden eigenen Kleinstadt, hat mir Spaß gemacht. Und ich glaubte also, es müsste meinen Jungs genau so ergehen.

Einen schönen Teppich zu finden, ist nicht leicht: Damals kam der wahrscheinlich aus dem nächstbesten Baumarkt oder Spielwarenladen der Nachbarstadt, heute käme uns so ein Teil nicht ins Haus (siehe oben). Es müsste schon etwas Stilvolleres und Schlichteres sein, und weil es sowas 2013 nicht gab oder nicht bezahlbar war oder wir keinen Kopf dafür hatten, einen zu suchen und zu finden, landeten wir am Ende für den Anfang bei einem großen schwedischen Modehaus. Da gab es so ein schlichtes Modell, schwarzweiss, sehr basic, für wenig Geld. Nur scheinbar individuell, klar, aber was soll’s. Gespielt haben weder Kid A noch Kid B damit bis heute viel – vielleicht ja eben doch, weil er zu wenig bunt und zugeballert ist. Das Thema Autoteppich war für mich jedenfalls gegessen, bis ich eine Mail von Felix Stock bekam.

„Ich bin Doppelpapa, Serienleser Deines Blogs und derzeit auch Gründer eines kleinen Unternehmens“, schrieb Felix mir im Sommer 2018. Er schilderte mir die Idee seines „kinderkiez“, mit dem er aus digitalem Kartenmaterial analoge Kinderspielteppiche machen wolle. Jeder könne damit aus seiner Hood einen individuellen Teppich erstellen, egal ob er in Berlin, im Bermuda-Dreieck oder in Kerken-Nieukerk wohnt. Apropos: Im weiteren Verlauf stellten wir fest, dass wir beide vom Niederrhein kommen und gemeinsame Bekannte haben. Ehrensache also, dass ich mir sein Produkt mal genauer ansehen wollte, klang ja vielversprechend. Ende Oktober kam der Beta-Launch, und Anfang Januar kam ich endlich dazu, uns testweise einen eigenen Teppich zu gestalten.

Ob Kreuzberg oder Kerken-Nieukerk: So kommt Euer Kiez auf einen Autoteppich

Das funktioniert denkbar einfach: Man gibt einfach seine Adresse oder Postleitzahl ein, und schon spuckt dir das sich an echten Geodaten bedienende Tool einen entsprechenden Kartenausschnitt aus. Neben den Straßen werden Schulen, Museen, Spielplätze, Supermärkte automatisch erkannt und dargestellt. Ein paar Random-Häuser stehen ebenfalls parat. Per Drag & Drop kann man sich nach Belieben seinen Kiez so originalgetreu wie möglich nachbauen – oder mithilfe etlicher liebevoll animierter Icons einen besseren erschaffen: In unserem Berlin-Fall habe ich zwecks Wiedererkennung Kindergarten, Spielplätze, Zebrastreifen, Bäckereien, U-Bahn-Stationen, Bushaltestellen und so weiter, so fern noch nicht vorhanden, an Ort und Stelle platziert. Weil das brachliegende Dragoner-Areal in unserem Kartenausschnitt zu viel Platz einnimmt, habe ich dort kurzerhand ein Schwimmbad, ein Zirkuszelt, ein UFO und Godzilla hochgezogen. Im Gleisdreieckpark brennt es zudem, zum Glück rückt die Feuerwehr aus der Wache, die es hier eigentlich auch nich gibt, schon an.

Dann geriet ich ins Schwitzen: Ich fand einfach keine Abspeicherfunktion, einloggen musste ich mich auch nicht. Wie arbeite ich morgen an meinem Kunstwerk weiter? Gut Teppich will schließlich Weile haben. „Der Stand wird lokal gespeichert, ohne Account“, beruhigte mich Felix, ich könne so den letzten Stand einfach wiederherstellen. Ich traute dem trotzdem nicht so recht und war wohl nicht alleine: Mittlerweile wird eine Zwischenspeicherfunktion in Form eines Links angeboten, mit dem ich das abends zuhause Angefangene am nächsten Tag im Büro weiterbearbeiten könnte, zum Beispiel.

Weitere Mankos: Die Lupe ist noch nicht allzu filigran eingestellt, und selbst wenn – beim Gestalten des Teppichs bekomme ich kein Gefühl dafür, wie groß oder klein all die Images am Ende wirklich sein werden. Die Ratten etwa (von denen es in Berlin angeblich mehr als Menschen gibt) sehen im Design wie graue Punkte aus, die ich trotzdem nicht größer zog, damit nicht Meister Splinter plötzlich grüßt. Ferner: So groß die Auswahl an Features bisher auch ist, sie könnte immer noch größer sein. Für Kreuzberg fehlen mir zum Beispiel Dönerbuden, Dealer, Shisha Bars, Handyläden, Eckensteher, Hundekacke. Fraglich, ob Kinder Ähnliches vermissen würden. Und ewig weiterbasteln könnte man trotzdem, für den Teppichpreis von 99 Euro für 70 x 100 cm oder 149 Euro für 100 x 140 cm soll ja auch Liebe drin stecken. Man muss sich aber wohl irgendwann damit abfinden, dass die eigene Version immer unfertig ist. Wie Berlin.

So sieht unser Kiez auf dem „kinderkiez“-Teppich aus

„Curry 36“ inklusive: So sieht unser Kiez auf dem „kinderkiez“-Teppich aus

Bestellprozess und Lieferung funktionierten im Test reibungslos und überraschend schnell: Dienstagabend schloss ich mein freiwilliges Stadtplaner-Praktikum ab, am Donnerstag war das Zeugnis da. Fast alle Details sind darauf gut genug zu erkennen, tendenziell sogar einen Mü größer als gedacht – nur die ganz kleinen Grafiken wie Gänserudel oder eben Ratten sind als solche nicht mehr auszumachen. Außerdem fehlen an allen vier Rändern ein paar Millimeter, was aus dem Tool heraus nicht ersichtlich wurde. Bei uns musste deshalb eine Windmühle im Park und die Kreuzung Obentrautstraße/Mehringdamm dran glauben. Überhaupt hilft es Eurem Teppich, wenn Euer Kiez klein ist: Bei uns sorgt der Maßstab – 90 cm Höhe entsprechenden ungefähr 550 Meter in der Realität – dafür, dass wir den eigenen Wohnort und den Kinderladen zwar noch draufgekriegt haben, den Landwehrkanal und damit ein bisschen Wasser aber nicht mehr. Und ach: Die Häuser ragen in alle Himmelsrichtungen, mir wird also wie vor 30 Jahren schon beim Gedanken schwindelig!

Ganz okaye Teppiche für überschaubares Geld gibt es, wie ich heute beim googlen merke, übrigens auch bei Online-Shops namens littlehipstar, Wayfair, Home24, und so weiter, sogar grob lokalisierte bei Annyo oder ironisch-hippe bei Muschi Kreuzberg. Die sind dann aber auch nicht customized.

Über die Spiel- und Materialqualität kann ich derweil noch nichts sagen: Die Jungs haben sich das Ding angeguckt, interessiert bekannte Ecken wiedererkannt und nach anderen Details gefragt („Und wer wohnt da? Und da? Und da?“), aber noch keine Autos ausgefahren. Ich nehme einfach mal an, dass der Teppich Saftreste, Schokolade, Krümel, Knete und Wasserfarbe genauso gut oder schlecht wegstecken wird, wie andere Teppiche. Ob der wohl (ab-)waschbar ist? Diese Info reiche ich nach. Meine Frau und ich finden ihn jedenfalls cool genug, dass er im Kinderzimmer liegen darf. Wenn sich das ändert oder Kid A und Kid B ihn trotzdem so ignorieren wie seinen Vorgänger, kommt er in den Kinderladen. Freuen sich die anderen Kids aus unserem Kiez gleich mit.

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Dieser Artikel ist in Kooperation mit kinderkiez.net entstanden: Felix hat mir kein Geld bezahlt und in kein Wort reingeredet, aber den Teppich gab es zu Testzwecken gegen einen Gutscheincode. Habe also 149 Euro gespart – die ich andernfalls wohl nicht ausgegeben hätte dafür, weil die Kinder auch mit einem günstigeren Modell zufrieden/unzufrieden gewesen wären. Die Eltern aber vielleicht nicht.

 

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2 Kommentare

  1. Der Teppich ist wirklich cool.
    Dennoch viel zu teuer. 😀
    Wenn der Flecken abbekommt, wäre es wirklich schade um ihn dennoch wissen wir ja wie Kinder so sind. :O Ob der lange überlebt?

    • Ja (cool), ja (nicht günstig) und ja (wäre schade). Hier sieht er noch gut aus – was aber daran liegt, dass die Kinder hin und wieder zwar zeigen, was darauf wo zu sehen ist, sich fürs Autospiel darauf aber nach wie vor nicht interessieren.

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