Südafrika-Reisetagebuch: So haben wir unseren Familienurlaub in Kapstadt (üb-)erlebt

Share on Facebook0Share on Google+0Tweet about this on TwitterPin on Pinterest0Share on Tumblr0Email this to someone

Von Mückenstichen, blöden Touristen, traumhaften Stränden und Wasserknappheit: Wir waren drei Wochen in und rund um Kapstadt unterwegs. Hier mein Notizen aus dem Familienurlaub. Inklusive ein paar Tipps und Warnungen.

Kid A und Kid B am Strand von Hout Bay.

Kid A und Kid B am Strand von Hout Bay.

Im Januar 2018 reisten wir – zwei Erwachsene, ein Vierjähriger, ein 20-Monatiger – für drei Wochen nach Südafrika. Mein Plan für dieses Blog hier sah erstens vor, vor Ort Tagebuchnotizen zu führen, um nach der Reise unsere Ziele und Erlebnisse teilen zu können. Was dieser olle Familienbetrieb-Dampfplauderer Christian Hanne-Herkomer im Urlaub täglich kann, kann ich ja wohl auch in einem Abwasch!

Zweitens sollte ein Service-Post für andere Reiseinteressierte bzw. -wahnsinnige her, in dem ich die Fragen beantworte, die wir uns vor dem Trip selbst stellten: Warum Langstrecke (im Winter ins Warme, wenn Kid B einmal 2 ist, wird so ein Flug völlig unbezahlbar)? Warum Kapstadt und Westkap (Wetter, Strände, keine Zeitumstellung, westlich genug mit Kindern, etliche Empfehlungen)? Welcher Flug (Lufthansa-Nachtflug direkt ab München)? Besondere Impfungen nötig (nein)? Welche Unterkunft (Ferienhaus über Air B’n’B)? Wo Mietwagen mit Kindersitzen gebucht (Check24, weil guter Preis und guter Service – keine Werbung)? Wie gefährlich ist Kapstadt (laut Warnung einiger Bekannter sehr, laut uns kaum, aber wir waren wegen Kindern ja auch fast jeden Abend vor Einbruch der Dunkelheit im Haus)? Wie krass ist der Kopfsprung in den Linksverkehr nach 14-stündigem Nachtflug (harmloser als befürchtet)? Können wir dort Netflix gucken (ja, mit dem südafrikanischen Lizenzangebot, also anderen Serien und Filmen als in Deutschland und natürlich nicht in deutscher Synchronisation, aber wer will die schon)? Brauche ich Steckdosenadapter (ja, aber jede Ferienwohnung ist damit ausgestattet)?

Aber man kommt ja zu nichts! Es ist so, wie unser Freund Malcolm, frischgebackener Vater, neulich mich und seinen Kumpel Sebastian, selbst zweifacher Vater, vorwurfsvoll fragte:

„Warum habt Ihr mich nicht gewarnt, WIE wenig Zeit man mit Kind für sich hat?“

Ich: „Habe ich doch, aber Du wolltest mir ja nicht glauben, mit all Deinen Plänen…“

Sebastian: „Wollte Dich warnen, hatte aber keine Zeit dafür!“

Nun, fünf Monate nach unserer Rückkehr aus Kapstadt und mitten im Berliner Sommer, der dieses Jahr ja wirklich einer ist, bin ich zu Teil 1 doch endlich gekommen. Liebe Eltern und solche, die es noch werden oder nicht werden wollen: Nach meinen Erinnerungen an unseren Familienurlaub mit Säugling in der Türkei, an eine Woche Spreewald, an unseren Kroatien-Urlaub, an unsere Tel-Aviv-Reise und an unsere kinderlose Hochzeitsreise durch Kalifornien präsentiere ich hier meine gerafften und doch ausartenden Notizen aus unserem dreiwöchigen Familienurlaub in und um Kapstadt herum. Spoiler: Wäre der Flug nicht, ich würde sofort wieder hin. Sogar mit Kleinkindern!

Mit Baby, Kleinkind und Frau im Familienurlaub in Südafrika – Reisetagebuch eines Vaters

Tag 1, Sonntag/Montag:

Abflug geht gut los:

Kid A: Juchu, ich fliege in die Luft!“
Echo eines anderen Kindes: „Wir fliegen alle in die Luft!“

Eine Bombenstimmung war das!

14 Stunden und einen Umstieg in München später: Nachtflug überstanden. War eigentlich ganz komfortabel, wenn man in seinem früheren Leben Legehenne war. Statt „Peppa Wutz“ auf dem iPad genossen die Kinder im Bordentertainmentprogramm „Benjamin Blümchen“, wir genossen statt Schlaf Wachkoma, statt Platz Kinderfüße überall. Immerhin schliefen sie, das Baby drei Reihen weiter vorne weinte den halben Flug über. Reisende Eltern, wie asozial!

Vom Flughafen Kapstadt nach Hout Bay: Fahren die nächsten drei Wochen einen silbernen Nissan Almeira. Ein ästhetisch „unauffälliger“ Mittelklassewagen, der ganz augenscheinlich nur für Rentner und Mietwagenfirmen produziert wird – und auch für uns genug Platz für Koffer und dazu gemietete Kindersitze bietet und somit seinen Zweck erfüllt. Übermüdet in den Linksverkehr funktionierte reibungsloser als befürchtet, einfach immer den anderen Autos nach (und nicht von den kilometerlangen Slums am Straßenrand ablenken lassen). Dass in mir vielleicht ein Bruchteil Engländer schlummert, wird auch der obligatorische Sonnenbrand in ein paar Tagen nahelegen!

Tag 2, Dienstag:

Erste Nacht im Ferienhaus verbracht. Ahne: Außer einem kühlen Schlafzimmer werde ich hier im Urlaub nicht viel vermissen. Und den Kindergarten.

Auf nach Simon’s Town zum Boulders Beach. Dort ist man per Du (und als Kleinkind sogar auf Augenhöhe) mit den ortsansässigen Brillenpinguinen, auch „Jackasses“ genannt. Dafür waren sie eigentlich ganz in Ordnung. Das kalte Wasser macht ihnen noch weniger aus als unseren Jungs. Jackasses, Euer Nachwuchs ist da!

Vom Maut-Ticket-Kontrolleur am Chapman’s Peak (ja, Aussicht und Route sind der Wahnsinn – sogar einem Nissan Almeira könnte man hier einen beeindruckenden Werbespot verpassen) lernen wir eine selbstbewusste Antwort auf eine Floskel: „How are you?“ „I’m the strongest lion in the world!“

Supermarktcheck: Woolworth’s ist hier local, fresh and healthy – und verkauft damit das Gegenteil vom Restpostenramsch in Deutschland. Okay und günstig sind Checkers und Pick’n’Pay, Spar gibt es auch. In all seiner Westlichkeit zeigt sich: Kapstadt ist offenbar genauso wenig Afrika wie New York USA ist. Oder Berlin Deutschland.

Nachmittag: Llandudno Beach. Ein steiles Klippenörtchen ohne Geschäfte und mit Villen wie in Beverly Fuckin Hills. Menschen gibt es an diesem Traumstrand kaum, weil es keinen Bus und kaum Parkplätze gibt. Aber der Wasserkälte trotzende Surfer. Und hey, dahinten, ein Wal! Hat sich wohl in der Saison vertan.

Tag 3, Mittwoch:

Air-BnB-Gastgeber Maarten deckt mit uns den Pool ab. Trotz Wasserknappheit ist der noch randvoll. Vor „Day Zero“, dem 12. April, vor dem hier wie in einer Zombieapokalypse überall gewarnt wird, hat Maarten keine Angst. „Zur Klospülung kann ich das Poolwasser nutzen. Für alles weitere fahre ich in die Berge oder bleibe ein paar Wochen da, dort gibt es noch was. Bald will ich auch zum Staudamm fahren und unbedingt sehen, wie leer das darin wirklich ist.“

Fahren 1,5 Stunden auf das Weingut Babylonstoren, weil alle Hipsterblogs es als erstes empfehlen. Auf dem Hinweg passieren wir während eines kleinen Umwegs, weil mein Kartenausschnitt bei Googles Offline-Maps zu klein bemessen war, eine sich im Bau befindliche gated community. Alle Arbeiter sind schwarz, alle späteren Bewohner garantiert weiß. Muss an „America“ von TC Boyle denken und blende mich als möglichen Teil des Ganzen, so als Tourist, schnell wieder aus.

Hip war es auf dem Weingut nicht, aber sehr schön, wie auf einer Ranch ohne Tiere. Musste an „Falcon Crest“ und „Red Dead Redemption“ denken, nur ohne Intrigen und Schießereien. Es gab Hühner, mit denen Kid A ausgiebig schwatzte, Esel, Gänse, Kakteen, Orangen- und Zitrusbäume, Guaven, Pistazienbäume, Kamille, weiße Mauern, Unterkünfte, gutes Essen, giftige Pflanzen und bestimmt auch tollen Wein. Aber wir waren ja vormittags um 10:30 Uhr (kein Argument), mit dem Auto und mit zwei Kindern da, die beide keinen Bock auf selbst laufen und ruhig sitzen hatten (zwei Argumente).

Kid A plappert uns die ganze Hin- und Rückfahrt über mit 1:1-Dialogen aus „Feuerwehrmann Sam“ und „Peppa Wutz“ voll. Klingt lustig, nervt gewaltig. Haben ihm für solche Fälle das Wort „Whatever“ beigebracht – und ich will unbedingt dabei sein, wenn er es das erste Mal bewusst und selbstständig anwendet. Bitte nicht während einer Polizei- oder Sicherheitskontrolle am Flughafen!

Morgen kommen Gäste aus Berlin, die auch hier Urlaub machen, heute kauften wir für diesen Besuch Burger und Bier ein. Supermarktpreise fast noch günstiger als in Deutschland. Überall das schlechte Gefühl durch den Fakt: Schwarze arbeiten, verkaufen, bedienen, räumen auf – Weiße kaufen ein und lassen sich bedienen. An großen Kreuzungen verkaufen offenbar arme Menschen zudem allerhand Kram, den leider wirklich keiner brauchen kann – Gummiesel, Plastikblumen, hässliche Bilder von Kapstadt, so ein Zeug. Denke kurz, dass sie wenigstens was Nützliches feilbieten könnten, eine kalte Cola zum Beispiel. Der weiße Mann hat gesprochen. Will nicht wissen, wie ich mal als alter Sack ende.

Unser Freund Malcolm fragt, ob wir ihm schon einen Pinguin eingepackt haben. Durften nicht mal unsere Bananen mit ins Land nehmen, deshalb vermutlich auch keine Lebewesen raus. Bitte haltet Euch auch daran, werte Kakerlaken und Motten hier im Haus!

21:50 Uhr, zwei Stunden nach Sonnenuntergang. Frau und Kinder schlafen. Sperre die Sicherheitstür auf, gehe in den dunklen Garten, zünde mir gedanklich eine Zigarette an. Hoffentlich liest Mama hier nicht mit. Der Wind bläst durch Geäst und gegen Windspiele im Nachbarsgarten wie in einem Horrorfilm. Nebel und Wolken hängen tief unter den Bergkuppen, die uns umringen. Am verlaubten Pool schleicht eine schwarze Katze vorbei. Die Sterne leuchten so klar und hell, als ob ich dem Himmel schon ein Stück näher wäre. Falls ich gleich sterbe, hätte ich mir gerade wenigstens noch den ersten Absatz meines unvollendeten Restposten-Thrillers ausgedacht.

Kid B wacht um 6:05 Uhr auf und jeden Tag ein paar Minuten früher. In Deutschland ist es jetzt 5:05 Uhr. Mit solchen Kindern fährt man in den Krieg, aber nicht in den Urlaub!

Tag 4, Donnerstag:

Am noch immer traumhaften Llandudno Beach ist es heute viel zu windig. Am späten Nachmittag kommt unser Besuch, obwohl es von Zehlendorf bis Kreuzberg (12,9 Kilometer) viel kürzer gewesen wäre als von Scarborough nach Hout Bay (30,5 Kilometer). Dafür haben wir hier auch einen Grill, einen Pool und ein Gästezimmer im Angebot.

Tag 5, Freitag:

Kid B wacht um 6:05 Uhr auf und jeden Tag ein paar Minuten früher. In Deutschland ist es jetzt 5:05 Uhr. Mit solchen Kindern fährt man in den Krieg, aber nicht in den Urlaub!

Frühstück aus Grillresten. Die Gäste schlafen am längsten, bin ja nur neidisch. Kurzer Schock: Kid A fällt später in den Pool, nachdem er mit dem Kescher Poolboy spielte. Wir waren bloß zehn Sekunden im Haus, unsere Besucher dafür am Beckenrand. Und Sekunden später Wet-T-Shirt-Helden.

Am Strand von Hout Bay, der nur zwei Minuten entfernt, aber leider kein Bade-, sondern ein Hundestrand ist, liegt das von diversen Elternbloggern und Reiseführern empfohlene „Dunes Beach“-Restaurant. Dessen Spielplatz ist bestimmt wirklich toll und hilft Eltern, mal eine Minute „genüsslicher“ als sonst ihr Essen herunterzuschlingen – wenn es auch hier nicht so krass windig gewesen wäre, dass Peeling und Mittelohrentzündung gratis gereicht werden.

Der ebenfalls oft empfohlene Hout Bay Harbour Market am, richtig, Hafen findet jeden Freitag bis Sonntag statt und ähnelt im Grunde der Markthalle 9 in Kreuzberg plus Kunsthandwerk-Klimbim. Streetfood gut, kleine Spielecke gibt es auch. Kann man mal machen und draußen an den Klippen und Anlegestellen überfütterte Seerobben beobachten.

Erfahre abends via Instagram: Joko Winterscheidt ist auch hier irgendwo in der Nähe und entwirft sein kommendes Magazin JWD. Sag noch einer, Printverlagen ginge es schlecht. Was machen wir bloß morgen? Gibt doch so viel zu tun und zu sehen! Camps Bay? Muizenberg? Gordon’s Bay? Kommetje? Kap der guten Hoffnung? Botanischer Garten? Tafelberg? Vogelpark? Waterfront? Woodstock? Zeitz-MOCAA-Museum? Groot Constantia? Farm Village Nordhoek? Mouille Point? Ohne Kinder würde ich nur essen und trinken!

Tag 6, Samstag:

Entscheiden uns für den Botanischen Garten Kirstenbosch, weil es in den kommenden Tagen noch heißer werden soll. Ein toller Garten mit tollen Ausblicken – mit meckerigen Kindern, die in einer Tour getragen und geschoben werden wollen aber leider kein Vergnügen. Warnung an Kinderwagen- und Rollstuhlfahrer: Es geht hier wirklich viel auf und ab, lauter Treppen und auf den Wegen Schotter und Rindenmulch, wenn man nicht vorher en detail die radfreundlicheren Routen studiert hat, die es irgendwo geben soll. Und die Geländekarte für 5 Rand an der Kasse ist eben auch nicht sehr genau. Noch ein Tipp: Einen kleinen Spielplatz gibt es nicht am nördlichen Restaurant „Tea Room“, sondern beim südlichen „Moyo“. Geräte sind aber glühend heiß in der Mittagssonne.

Am Nachmittag passieren wir Camp’s Bay, weil die Kinder im Auto pennen und wir notgedrungen durch die Gegend cruisen. Und mehr als durchcruisen muss man, so unser Eindruck, durch diese Flaniermeile mit Massenstrand eh nicht. Sehr posh, bisschen Cannes, bisschen Malle, bisschen halt nicht das was wir wollen. Schnell zurück zum Llandudno Beach, von dem wir natürlich sehr verwöhnt sind. Und von der Wassertemperatur und dem peitschenden Sand heute leider auch gepeinigt werden.

Fahre abends mit Kid B zum Supermarkt, in dem übrigens wie in allen anderen Supermärkten die Wasserkanister täglich ausverkauft sind. Kid B räumt dort den Rest der Regale aus und kackt die Windel voll, für die ich ausnahmsweise mal keinen Ersatz dabei habe. Danach erfahre ich, dass meine Frau Kid A in der Zwischenzeit Fotos von schwangeren Frauen auf Instagram (#pregnant) zeigte, weil er das so wollte, nachdem er eine sah. Eine Stunde lang. Geschwister will er aber nicht mehr. Gut, da sind wir einer Meinung.

Tag 7, Sonntag:

Bei aller Nostalgie: Daran, dass ich leider bei jedem Strandbesuch an Witt und Heppner denken muss, sind eben auch die Neunziger schuld.

Jeder in Ruhe lesende Mensch am Strand ist Eltern wie mir ein Schlag ins Gesicht. Aber gönnt euch ruhig! Wenn ich wieder ein Buch lesen kann, weiß ich: Die Kinder müssen nun volljährig, alleine überlebensfähig und zuhause ausgezogen sein.

Moralisches Dilemma: Die selbsternannten Parkplatzeinweiser nerven nur noch. Lassen uns teilweise nur gegen Geld vom Parkplatz runterfahren, auf dem wir schon standen, bevor sie ihren Arbeitstag begannen. Beschweren sich über 5 Rand, „empfehlen“ mindestens 20. Ich weiß: Alles Kleckerbeträge für uns weiße reiche Mitteleuropäer. Bedrängt fühle ich mich trotzdem. Relativiert wird mein Gefühl, ein schlechter Mensch zu sein, durch diese Möchtegern-Geissens, die wir am Llandudno Beach beobachten. Bitten den Eisverkäufer, der für einen Hungerlohn durch den Sand watet und sie bedient, doch tatsächlich, ihren Müll wieder mit zu nehmen. Schäme mich, indirekt einer von ihnen zu sein, obwohl ich mich niemandem weiter weg fühle als solchen Yuppiebauern.

Versuchen abends den „Tatort“ zu streamen, die W-Lan-Geschwindigkeit gleicht leider der des 56k-Modems aus meinem Kinderzimmer, 1999. Die Festnetzleitung, auf der hin und wieder die Sicherheitsfirma anruft, wenn wir mal wieder die Alarmanlage falsch bedient haben, ist bestimmt auch die ganze Zeit besetzt. Plan für morgen: Waterfront und Bo-Kaap. Oder?

Sommertipp: Gegen Mückenstiche hilft ein gut durchblutetes Kleinkind im eigenen Bett. Es sieht halt nur scheiße aus am nächsten Tag. Die Hamsterbacken von Kid B sind so zerstochen wie ein Streuselkuchen. Um nicht zu sagen wie Nicole Simpson.

Tag 8, Montag:

Eine Woche rum. Heiß und klar soll es heute werden, warum nicht zum Tafelberg? Tickets online reserviert und im Supermarkt abgeholt, so läuft das hier. Auch endlich gekauft: eine SIM-Karte für mobiles Datenvolumen. Gibt es zum Beispiel in Vodafone-Shops, 5 GB sind mehr als genug. Instagram kann ja nicht ewig warten!

Ankunft am Tafelberg um 9:45 Uhr. Eigentlich schon viel zu spät, Kinderhaben erweist sich hier aber als Glücksfall: Stehen nur rund 20 Minuten in der Hitze an, den Rest des Weges pirschen wir mit Kinderwagen über eine Rampe an der Schlange vorbei. Parktipp: Nicht vom Einweiser auf halber Auffahrt in eine Lücke lotsen lassen, sondern mit Kindern unbedingt weiter hoch fahren. Notfalls umdrehen und sie mit einem Elternteil, sofern zwei vorhanden, schon mal rauswerfen.

Die Seilbahngondel dreht sich um sich selbst, fährt steile 700 Meter mit 10 Metern pro Sekunde hoch auf die 1080 Meter über Null liegende Spitze des Tafelbergs und wurde in der Schweiz gebaut. Ertappe mich beim aufatmen, warum auch immer.

Oben soll es neben den Dassies, die wie eine Mischung aus Meerschweinchen, Hase, Beuteltier und Nutrier aussehen, sogenannte Klippenspringer geben. Bin mir sicher, dass mit diesen Böcken all die dummen Touristen gemeint sind, die über die Absperrungen steigen und ein Foto am Rand der Klippe schießen wollen. Das erste Mal in ihrem Leben living in the edge, so sehen all diese Trottel aus – und vielleicht auch das letzte Mal. Glauben die wirklich, ihr Scheißfoto sieht deswegen besser aus? Zwei Meter machen noch kein neues Gesicht!

Aber was rede ich, ich sollte selber mal lieber mehr Fotos machen, nämlich von meiner Frau, vor allem aber bessere: Sie bittet mich um eines nur mit blauem Himmel im Hintergrund, und ich Kameralusche stehe prompt so unter Druck, dass ich zwar zehn Bilder schieße – aber es nicht mal schaffe, den Schatten aus ihrem Gesicht zu manövrieren. War der VHS-Fotokurs vor acht Jahren etwa völlig für die Katz? Ja, war er!

Nach erfolgreicher Cable-Car-Rückfahrt cruisen wir weiter zur Waterfront, Kapstadts neuer Vorzeigemeile. Das Shoppingcenter Victoria Wharf beherbergt sehr viele Nobelläden und ist sonst eine Mall wie jede andere. Die Neuköllner Gropiuspassagen sind genauso langweilig, nur hässlicher und in schlechterer Lage. Rundherum ist es schön, aber auch nicht. Weil in diesem künstlichen Hafenviertel alles so hingeknallt wirkt wie es ist. Klar, hier können weiße Touristen sicherer ausgehen, gibt auch ein Riesenrad und einen Spielplatz. Aber, außer dem Zeitz MOCAA in einem umgebauten Silospeicher, nichts, was es so ähnlich nicht auch woanders geben könnte.

Tag 9, Dienstag:

Sommertipp: Gegen Mückenstiche hilft ein gut durchblutetes Kleinkind im eigenen Bett. Es sieht halt nur scheiße aus am nächsten Tag. Die Hamsterbacken von Kid B sind so zerstochen wie ein Streuselkuchen. Um nicht zu sagen wie Nicole Simpson.

Fahren mit dem Mietwagen los und wissen noch nicht, wohin. Kapstadt City? Kap der guten Hoffnung? Löwenpark und Krokopark im Landesinnern Nähe Paarl? Wegen leichten Regens entscheiden wir uns für den Vogel- und Tierpark „World Of Birds“ um die Ecke, „Afrikas größter Vogelpark“. Gegründet 1973 von Walter Mangold aus Ellwangen. Ein Igel liegt dort im Gehege gleich neben den Schlangen, wenn der wüsste. Highlights auf dem dschungelartigen, aber ganz offensichtlich nie vom großen Geldregen gesegneten Gelände: Pinguin-Fütterung und der Besuch bei den friedlichen Zwergäffchen, die dir alles klauen, was du nicht vorher weggesperrt hast – in unserem Falle die Haargummis der Jungs (nicht aber die Jungs selbst).

Am Nachmittag geben wir, nach ein paar Einkäufen, dem Dunes-Restaurant noch eine Chance. Kellner bevormundet uns leider während der Bestellung, Essen selbst war dann auch nicht mehr als „okay“ und wie zuhause: den Stress nicht wert. Nicht drei Minuten stillsitzen können zwei Viertel unserer Reisegruppe. Erwische mich schon wieder beim Gedanken: Das ist doch kein Urlaub, das ist nur Nerverei an einen wärmeren Ort. Jetzt sind wir also seit über vier Jahren Eltern und reden uns noch immer ein, dass es auch anders sein könnte!

Tag 10, Mittwoch:

Nehmen den aus jeder Großstadt dieser Welt bekannten roten „Hop on Hop off“-Bus. Die blaue Linie kostet rund 12 Euro pro Erwachsenem und fährt uns vom „World Of Birds“-Parkplatz runter bis zum Hafen, nach Kapstadt über Camps Bay und mit Zwischenstopps zurück. Nein, das hat hier (mit Ausnahmen der Townships) nichts mit Slums oder anderen Bildern zu tun, die man über afrikanische Großstädte so im Kopf haben mag. Im Gegenteil: Die Serpentinen sind gesäumt von krassen Villen, Appartements, (eingezäunten) Anlagen und spektakulären Aussichten. Auch in der Innenstadt ist Armut nur auf den zweiten Blick erkennbar. Einheimische betteln oder verkaufen hier und da was, und es braucht ein paar Minuten, bis es uns eben doch überkommt: Während wir da an einem schönen Marktplatz sitzen und Spaghetti und Pizza essen und in unserem eigenen Alltag viel zu oft viel zu gestresst und schlecht gelaunt sind, tanzen offenkundig ärmere Leute zwei Meter weiter zur Straßenmusik, haben Spaß und es geht ihnen anscheinend ziemlich gut. Bitte setzen Sie irgendeinen Kalenderspruch über „Glück“ und „Schmied“ hier ein.

Während eines kleinen Spaziergangs und der Busfahrt lernen wir ein paar Häppchen, schnappen etwa Fetzen aus dem Audioguide über den politisch berühmten District 6, Nelson Mandela, Vuvuzuelas, Schiffswracks und Downtown auf. Lernen, dass die Stadtfläche vor Duncan’s Wharf bis in die 30er-Jahre hinein teilweise noch Meer war. Dass der Atlantik im Sommer wegen des Eis aus der Antarktis kälter ist als im Winter. Dass auf dem Weingut Groot Constantia einst der Sohn der Familie nachts um 12 betrunken mit dem Pferd die Treppen im Haus herabritt, dabei starb und man seitdem dort um Mitternacht Hufen und Glocken höre. Dass im Stadtviertel Constantia viele Promis wohnen, von den wir aber keinen Namen kennen und so weiter. Was wir wohl alles noch gelernt hätten, wenn die Kinder einem nicht alle fünf Sekunden das Kopfhörerkabel aus dem Ohr gerissen hätten!

In der Stadt gab es noch weitere denkwürdige Szenen: Ein Mann hob meine Sonnenbrille auf, ich bedankte mich, er wollte mir dann aber eine andere verkaufen und Geld für seine Familie haben. Ein anderer bot mir irgendein Gemälde feil und sagte, er sei kein Bettler, jeder hat natürlich seine Würde. Das ist alles sehr traurig und man kann wohl nicht viel richtig machen in dem Moment. Gönnerhaft was geben? Alle ignorieren? Portemonnaie rausholen und dann vielleicht eben doch beklaut werden, wovor man ja gewarnt wird?

Zurück in unserem alarmgesicherten Ferienhaus, zurück in unserer westlich-weißen Blase. Planschen im Pool, während sich andernorts Menschen bereits (präventiv) mit Kanistern an Sammelstellen anstellen, Wasserknappheit, Ihr wisst schon. Abends unsere rettende Entdeckung: Yeah, Netflix funktioniert! Also nicht nur zugriffsmäßig mit unserem deutschen Account, das hatte ich vorher schon recherchiert, sondern trotz des lahmen Internetspeeds. First World Problems: solved for the night.

Tag 11, Donnerstag:

Llandudno Beach, again. Kein Wind, keine Wolken, viel Sonne, ein Warmwasserpool aus Flutwasserresten am Strand. Perfekt für die Kids! Kid A kann darin sogar das Bodyboard auschecken und ich ihn an dessen Leine durch das Wasser ziehen. Das machte: Spaß. Nach dem Mittagsschlaf: Einkäufe. An jedem ATM lange Schlangen. Monatsanfang, die mutmaßlich ärmeren Bürger haben endlich wieder Geld auf dem Konto. Die Wasserkanister sind noch immer überall ausverkauft. Kaufe ich halt Flaschen. Können wir ja finanziell. Andere werden es nicht können. Werde von Freunden und Familie aus Deutschland gefragt, wie es hier sei für uns, mit der Wasserknappheit und den Sparmaßnahmen, die wenigen Liter, die man pro Tag für Dusche, Spülung, Spüle, Wäsche, Kochen, Trinken und so weiter verbrauchen darf. Völlig okay ist es, wir können ja bald wieder heim. Die, die hier wohnen, nicht.

Spektakulär und entspannt: Panoramafoto vom Klettergerüst des Cape-Point-Weinguts in Noordhoek während des Foodmarkets

Spektakulär und entspannt: Panoramafoto vom Klettergerüst des Cape-Point-Weinguts in Noordhoek während des Foodmarkets

Über den fantastischen Chapman’s Peak mit seiner tollen Aussicht fahren wir zum Cape Point Vineyard Picnic und Foodmarket in Nordhoek und treffen unsere Freunde aus Zehlendorf. Highly recommended dort, wunderschön! Kid A hat Spaß auf dem kleinen Spielplatz auf dem Berg mit Blick gen Sonnenuntergang, auch mit andern Kindern. Sind bloß leider zu viele Deutsche. „Super, Mathilda, toll hast Du das gemacht!“ Hätten wir ja auch nach Prenzlauer Berg fahren können. Rückfahrt im Dunklen nach zwei kleinen Gläsern Wein. Bin ich lebensmüde? Nein, war recht easy. Und morgen gehe ich surfen.

Tag 12, Freitag:

Schon wieder ein Fast-Deutscher: Surflehrer David stammt aus Luzern und lebt seit ein paar Jahren hier in Muizenberg, dem Backpacker-, Surf- und Hipsterviertel Kapstadts. Frage ihn unter anderem nach der Trinkwasserknappheit: „Manche Menschen werden hier schon unfreundlich und aggressiv, wenn man ihnen beim Surfen eine Welle nimmt. Deshalb habe ich schon etwas Sorge davor, was noch passieren wird.“ David berichtet mir auch, wie ernst man die Haiwarnungen nehmen muss: „Ein Flugzeugabsturz ist wahrscheinlicher als ein Haiangriff. Das letzte Mal wurde zwar vor sechs Jahren ein Surfer angegriffen, der ist aber auch viel zu weit rausgeschwommen.“

Wegen seiner Lage an der False Bay ist das Wasser gefühlt mindestens 10 Grad wärmer als auf der Atlantikseite des Westkaps. Meine Frau und die Kids harren am windigen Strand aus, während ich 16 Jahre nach meinem ersten Surfversuch in Australien zumindest das Paddeln und Aufstehen nicht verlernt habe. Reicht für ein paar kurze Anfänger-Ritts im Weißwasser, yeah.

  Als ich (rechts) auszog, die Haie das Fürchten zu lehren.   Ein Beitrag geteilt von fabian. (@whatthefab) am

Nachmittags hängen wir am Naturstrand von Scarborough bei unseren Bekannten ab und gehen danach im Kifferrestaurant Camel Rock essen. Macht da mal mit Kindern halten, gibt einen gemütlichen Innenhof mit kleinem Klettergerüst und ganz gutes Essen. Und das sage ich clean!

Tag 13, Samstag:

Auf zum Neighborgoodsmarket in Kapstadts zentralerem Szeneviertel Woodstock. Suspekt, aber hilfreich: Parkplatzdudes winken uns in schäbige Seitenstraßen. Der Markt an einer umgebauten Mühle namens Old Biscuit Mill könnte exakt so nach Kreuzkölln versetzt werden: Hipster, Streetfood, überteuertes Kunsthandwerk, Straßenmusiker und Kaffeedielen, so weit der Geldbeutel reicht. Spontanes Treffen mit Jessica und Christoph aus Berlin, von deren zeitgleicher Anwesenheit in Kapstadt ich ein paar Tage vorher via Instagram erfuhr. Die zwei reiselustigen Journalisten haben zuletzt ein Buch über Haustausch geschrieben, wir nehmen ihre Tipps gerne entgegen. Nice to meet you!

Auf nach Bo-Kaap, das Viertel der bunten Häuser. In einem Kiosk enttarnt der Verkäufer meine grenznahe Herkunft („You’re from Holland or german? You look like holland!“). Der Rest ist Instagram-Gold, Autos werden mutmaßlich nur für Social-Media-Motive dort geparkt:

Tag 14, Sonntag:

Werde nachlässig, notiere heute erst die letzten drei Tage. Die zwei bis drei Leser, die so viel Langeweile haben, dass sie bis hierhin gekommen sind, dürfen sich nun freuen: Versuche mich kürzer zu halten. Und gebe Euch ein Bier für Eure Ausdauer aus, bitte PN!

Llandudno Beach. Eine große Gruppe Kinder übt bei weiterhin arschkaltem Wasser und gefährlich starker Brandung Bodyboarding. Der Betreuungsschlüssel würde mir schon in einer handelsüblichen Kita bedenklich schwach vorkommen. Aber sind ja Locals, die können sowas bestimmt einfach.

Im Schatten der Felsen: Fotoshooting eines weiblichen und fast nackten Models, dessen Namen ich beim Durchscrollen der dortigen Instagram-Fotos des Tages später herausfinde, aber sofort wieder vergesse. Hoffe, das ehrt mich in den Augen meiner Frau.

Werfe abends in Crocodile-Dundee-Manier eine Riesenkakerlake aus unserem Badezimmer heraus und erkläre ihr, nachdem ich sie endlich einfing: Würden wir hier öfter duschen, wärst Du vielleicht gar nicht die Wasserrohre hochgekraxelt!

Plan für Montag: Meine Frau geht ins ZEITZ MOCAA-Museum und wir drei Jungs ins Aquarium. Nicht, weil mich das Museum nicht interessieren würde, sondern weil es zwei Kleinkinder nicht interessieren wird. Und in den nächste Tagen? Vielleicht noch Farm Village Nordhoek, Imhoffs Tierpark, Kap der guten Hoffnung, Groot Constantia, Löwenpark, abends auf den Signal Hill? Surfen würde ich auch gerne nochmal. Aber bin ja nicht für mich alleine hier.

Tag 15, Montag:

Tagsüber: siehe oben.

Abends kurve ich mit den Jungs durch die auf Anhöhen liegenden Wohnviertel Hout Bays, um dieses Schloss zu finden, das man von unten aus sehen kann. Angeblich muss ich dafür durch das Armenviertel Harbour Heights hinterm Hafen und drehe wegen anbrechender Dunkelheit um. Ich mag gewisse Vorurteile pflegen, aber denke: Man muss sein Glück ja nicht überstrapazieren.

Sammeln stattdessen meine Frau ein und geben uns den Sonnenuntergang über Llandudno. Dann das: Handyakku plötzlich leer, Kamera im Haus vergessen. Wie sinnlos uns das Beobachten dieses Abendhimmels plötzlich vorkommt, obwohl es ja ohne Fotos erst sinnvoll werden müsste! Es ist so, wie ich Wochen später aus anderem Anlass auf Twitter schrieb:

Tag 16, Dienstag:

Mitch Buchannons Erben: Kid A und Kid B am Strand von Muizenberg

Mitch Buchannons Erben: Kid A und Kid B am Strand von Muizenberg

Seal Island“-Bootstour vom Hafen Hout Bays aus. Diese Tiere hängen doch tatsächlich bergeweise auf ein paar aus dem Wasser ragenden Steinflächen 15 Minuten von der Bucht entfernt ab. Sieht aus wie Massentierhaltung oder Open-Air-Alcatraz. Die Racker haben sich das aber angeblich selbst so ausgesucht.

Unnötig zu sagen: Einer heult, meckert oder schreit fast immer. Und da rede ich nur von den Kindern!

Nachmittags nochmal nach Muizenberg. Surfen ohne Lehrer, jetzt bin ich der Profi unter den Anfängern. Für die Jungs am Strand fallen immerhin ein paar Fotos hinterm Surfbrett ab, für meine Frau nur das Aufpassen, während ich paddele. Ja, für sowas sollte ich wohl lieber mal alleine in Urlaub fahren – aber das nimmt einem die Familie dann ja noch übler!

Anderthalb Kilometer weiter liegt die St. James Bay. Auf Empfehlung essen wir Pizza im „Octopus Garden“ in Strandnähe, Klettergerüst, John-Lennon-Schrein und weitere Instagram-Motive inklusive. Wirklich schön und hip dort, wegen der Lage zwischen Straße und Bummelbahnschienen aber laut – und die Pizzen trugen illustre Namen und waren sehr klein. Irgendwas ist ja immer!

Tag 17, Mittwoch:

Keine Aufzeichnungen. Zumindest keine für die Öffentlichkeit bestimmten.

Netflix-Empfehlung, weil abends gesehen und für sehr lustig befunden: „Eine nutzlose und dumme Geste“, die fiktionalisierte Geschichte des „National Lampoon“-Gründers Doug Kenney.

Tag 18, Donnerstag:

Kap der guten Hoffnung. Die stirbt ja bekanntlich zuletzt, wir konnten uns also Zeit lassen.

Wer braucht schon Safaris (die wir wegen Kleinkindern lieber nicht gemacht haben)? Der Weg zum Kap der guten Hoffnung ist von Pavianen flankiert besetzt, vor deren etwaiger Angriffslust – sind halt keine Haustiere – am gesamten Westkap ausdrücklich gewarnt wird. An der Küste tauchen sogar Strauße am Straßenrand auf. Kommen gegen10 Uhr an und damit wenige Minuten vor den Touristenbussen. Machen die obligatorischen Fotos am Ortsschild, schauen uns um, entscheiden uns gegen einen Besuch oben am Leuchtturm, weil man hoch laufen müsste (Kinder!) und verpassen so eventuell ein Highlight am Kap – aber hey, Mittagsschlaf der Kleinen geht vor!

Kids with a view: Kid A und Kid B auf dem Signal Hill mit Blick auf Kapstadt. Die Umarmung war natürlich nicht gestellt! (…)

Kids with a view: Kid A und Kid B auf dem Signal Hill mit Blick auf Kapstadt. Die Umarmung war natürlich nicht gestellt! (…)

Nach Abendessen am Haus fahren wir mit Auto hoch zum heute leider wolkenverhangenen Signal Hill. Die Aussicht war trotzdem spektakulär – wie muss das erst bei klarerem Himmel aussehen! Unbedingter Tipp: Picknick-Zeug mitnehmen und da oben zu jeder beliebigen Tageszeit ein Stündchen abhängen. Parkplätze vorhanden!

Kleiner Einschub: Der Urlaub tut auch Kid Bs Sprachentwicklung gut. Er kann nun unter anderem „Hallo!“, „Tschö“, „Eier“ und „Blinky Bill“ sagen. An Letzterem sind die Großeltern schuld, ich schwör!

Tag 19, Freitag:

Der „Urlaub“ ist bald zuende und fängt eigentlich gerade erst an: Kid B pennt heute bis 7:40 Uhr, Kid A sogar noch eine Stunde länger. Unsere Zivis!

Kapstadtbummel über Kloof Street und Long Street. Backpacker- und Hipsterviertel in zentralster Lage mit ein paar ganz coolen Bars, Restaurants und Boutiquen. Entspannt: Die Parkuhren hier sind Menschen, man kann (und muss) bei Verspätung also einfach nachzahlen ohne Angst vor Knöllchen oder Abschleppwagen. Die Long Street mutiert abends garantiert in eine Tourimeile für all die, die nicht alt, weiß oder langweilig genug für die Waterfront sind.

Dann trauen wir uns was: Lunch mit Kindern, in einem richtigen Restaurant! Und dann noch einem wunderschönen mit tollem Essen: Das Kloof House sieht so aus, als hätten Florence & the Machine dort später Tanzszenen ihres Videos zu „Hunger“ gedreht. Entspannt war die Mittagspause trotzdem nicht: Bestellen nach 30-sekündigem Blick auf die Karte, weil immer einer wegrennt, klettert, heult, auf den Arm oder wieder runter will, die Sitzbank entlang robbt und so weiter. Zum Glück gibt es auch hier wahlweise Pommes als Beilage, rund eine Minute Kinderbeschäftigung ist garantiert. Dann muss einer pinkeln, der andere stößt sein Glas um, wir werfen das Essen mit einer Hand in Windeseile zwischendurch ein – für Außenstehende Comedy, wenn es nicht so anstrengend wäre, für Eltern leider ganz normale Szenen. Der Kellner beruhigt uns: „Don’t worry, I have three of them!“ Ich: „So you don’t go eating out very often?!“ Er: „I do, but not with them!“

War trotzdem gut, dass wir da waren. Mal eine Idee davon gekriegt, was alle immer meinen mit dem so guten Essen hier in Kapstadt und Südafrika. Geschäftsidee: eine Kinderkarte, auf der es keine Pommes gibt, aber trotzdem Dinge, die sie zu 100 Prozent essen! Gibt es so was?

Abends, nachdem die Jungs endlich schliefen, erste Gedanken über Sommerurlaub gemacht. Also ich, meine Frau war da wie immer schon viel weiter. Meine Pläne reichen immerhin bis zum nächsten Tag!

Tag 20, Samstag:

Kid B pennt bis 9 Uhr (!). Vielleicht bleiben wir doch noch länger?

Vormittags Llandudno, unser Spot. Nach Mittagsschlaf düsen wir zum Cape Farmhouse. Laut unserer dort in der Nähe residierenden Berliner Freunde findet dort heute das „Farmhouse Rocks“-Festival statt, bei dem, Achtung, für über vier Stunden eine oder mehrere Sublime-Coverbands auftreten! Das hält doch ohne Kiffen keiner aus? Doch, einfach ohne Sonnenschutz auf den Spielplatz, knallt genauso!

Stelle mich für ein paar Bier an und freue mich: Komme ich auf meine alten Tage doch noch wieder auf ein Festival! Ohne Camping und den anderen Scheiß! Lerne dort Tobi aus Deutschland kennen. Ist mit seiner Familie seit neun Wochen hier, letztes Jahr waren sie für fünf Monate hier. Notiz an mich: Muss diese Festanstellung loswerden! (Vielleicht doch nicht.)

Tag 21, Sonntag:

Llandudno for the very last time. Kinder eincremen ist noch immer eine Kunst für sich. Beobachten einen Surfer und eine Robbe in den krassen Wellen, beide haben mit ihnen zu kämpfen.

Wir hingegen haben später am Tag mit anderen Menschen zu kämpfen: Im Rahmen der „Summer Sunset Concerts“ im Botanischen Garten Kirstenbosch tritt dort heute das Cape Town Philharmonic Orchestra open air auf – und wir haben noch Tickets ergattert. Was als familienfreundliches Konzerterlebnis mit Picknick beworben wird, endet im Gegenteil: Unsere Jungs tun das, was jedes normale Kind so tut. Sie sitzen nicht in einer Tour still, sie reden zwischendurch, staunen über Flugzeuge am Himmel und klatschen, wenn auch sonst keiner klatscht. Eine ältere Frau (die selbst mit ihrem erwachsenen Sohn da ist, also Kinder kennen sollte) vor uns dreht sich um, guckt böse, macht „Sschhh“. Ich bin perplex und bin es beim zweiten Mal immer noch, gucke lediglich böse zurück und antworte ihr möglichst bestimmt, obwohl sie leider nicht mehr zuhört. Wir gehen runter, weil diese schreckliche Frau uns jegliche Stimmung versaut – und weiter vorne dreht sich wieder eine ältere Frau genervt um. Wir meckern sie fassungslos an, wollen gehen, eine andere Frau unseren Alters nimmt uns in Schutz und will helfen. Lassen die Jungs noch ein paar Minuten direkt vor der Bühne zuschauen – wo auch andere Kinder willkommen sind. Was ist los mit Euch, Ihr weißen alten Kultursnob-Rentner? Das ist ein Familienevent, wir haben nicht Eure Philharmonie gestürmt! Hat ja noch nicht mal wer geheult, geschrien oder sonst was! Kritisiere mich selbst dafür, meine Familie nicht vehementer verteidigt zu haben. Und frage mich, was sich Mansur Seddiqzai aus deutlich schlimmerem Anlass nach der Geburt seiner Tochter fragte und ich mich leider noch häufiger und ernsthafter fragen werde: In welche Welt wurden meine Kinder da geboren?

Letzter Abend: Sonnenuntergangsselfie in Llandudno

Letzter Abend: Sonnenuntergangsselfie in Llandudno

Tag 22, Montag:

Verfrühtes und gleichzeitig überfälliges Ende der Aufzeichnungen, da Abreisetag. Wollten uns noch Löwen in der Nähe des Flughafens angucken, sind stattdessen im Shoppingtempel „Canal Walks“ gelandet. Am Morgen danach übermüdet und wohlauf in Berlin gelandet, selten mehr auf Schwiegereltern und Kindergarten gefreut. Weitere Details auf Nachfrage.

Bräuchte mal drei Wochen Urlaub. Alleine. Stattdessen steht jetzt, Ende Juli, der nächste Urlaub an: Haustausch mit einer Familie aus Barcelona! Statt AirBnB, statt Zweckentfremdungsverbotsgesetz. Aber das wird eine andere Geschichte. Und eine kürzere.

P.S.: Was aus der Wasserknappheit wurde? Alles offenbar halb so wild: „Day Zero“ in Kapstadt wurde nach unsere Abreise abgesagt. 

Share on Facebook0Share on Google+0Tweet about this on TwitterPin on Pinterest0Share on Tumblr0Email this to someone
Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  • Werbung