The Kids Are Alright: Arcade Fire hoffen, dass die Generation A sich um unsere Welt kümmern wird

Für die Titelgeschichte der neuen Ausgabe des MUSIKEXPRESS habe ich Win Butler vom kanadischen Indierock-Kollektiv Arcade Fire interviewt. Es ging um Kriege, Kooperationen und um die Zukunft unserer Kinder, namentlich die so genannte „Generation A“. Hier ein Auszug aus dem Gespräch.

Zwischen Licht und Dunkelheit ist viel Platz für Buntes: Arcade Fire im Jahr 2022 (Foto: Michael Marcelle / Sony Music)

Die folgende These ist ausnahmslos positiv gemeint: Arcade Fire waren eigentlich schon immer eine Kinderband. Auf ihrem Debüt FUNERAL im Jahr 2004 – okay, das inhaltliche Leitmotiv Tod mal außen vorgelassen – stellten sie sich der Welt als eine Art Missing Link zwischen Indierock, Marching Bands und Orchestergräben vor. Sie waren bunt und guter Dinge und schmissen sich haufenweise Instrumente in die Arme; die Hitsingle „Wake Up“ mit den Zeilen „Children, wake up / hold your mistake up / before they turn the summer into dust“ wurde fünf Jahre später im Trailer für Spike Jonzes Kinderfilm „Where The Wild Things Are“ verwendet. Auf dem opulenten, in einer Kirche aufgenommenen Nachfolger NEON BIBLE (2007) änderte sich die Klangfarbe, ihr Drittwerk, Klassiker und Grammy-Gewinner THE SUBURBS war als Brief aus jenen Vorstädten zu verstehen, in denen Sänger Win Butler und sein Bruder Will aufwuchsen. Win und seine Ehefrau, Bandmitglied, Multiinstrumentalistin und Songschreiberin Reginé Chassagne, wurden 2013 Eltern. Auf REFLEKTOR aus dem selben Jahr verschrieben sie sich, unter anderem mit David Bowie als Gast, der Disco, mit EVERYTHING NOW mäanderte das Kollektiv aus Montreal und New Orleans zwischen Pop, Schlager und Weltmusik. Nun, fünf Jahre später, ist ihr sechstes Album WE erschienen.

So sieht der neue Musikexpress mit meiner Titelgeschichte aus – fotografiert auf dem Geburtstagstisch von Kid B, der neulich 6 wurde.

Warum ich von all dem auf einem Elternblog berichte? Für meinen Arbeitgeber MUSIKEXPRESS durfte ich vor ein paar Wochen Win Butler interviewen. Passagen des Gesprächs, meine Einordnung und ein historischer Abriss sind nun nachzulesen in der von mir geschriebenen Titelgeschichte der MUSIKEXPRESS-Ausgabe 06/2022.

Die zweite und aktuelle Single von WE heißt „Unconditional I (Lookout Kid)“ und widmet sich inhaltlich explizit Butlers und Chassagnes Sohn, der (neben Peter Gabriel und Butlers Mutter an der Harfe) auf dem Album auch zu hören ist, sowie der Zeit, in der unsere Kinder gerade großwerden. Auf Instagram kündigte Butler den Song mit folgenden Worten an:

„There’s nothing saccharine about unconditional love in a world that is coming apart at the seams. WE need each other, in all of our imperfection. Lookout Kid is a reminder, a lullaby for the end times, sung to my son, but for everyone… Trust your heart, trust your mind, trust your body, trust your soul. Shit is going to get worse before it gets better, but it always gets better, and no one’s perfect.

Let me say it again.
No one’s perfect.“

Im später erschienenen Musikvideo zu „Unconditional I (Lookout Kid)“ sahen wir Kinder, Bandmitglieder mit aufblasbaren Riesenbuddys rumtollen:

Schon 2020 veröffentlichten Arcade Fire, im Vorfeld der damaligen US-Wahl, einen Song namens „Generation A“, in dem es um die Zukunft unserer Kinder ging, bei dessen Livepräsentation im US-Fernsehen Butlers und Chassagnes auch stets mittourender Sohn ebenfalls auftrat und der musikalisch The Whos „Baba O’Riley“ die Ehre erweist – der Band, über die es einst eine Dokumentation namens „The Kids Are Alright“ gab.

Keine Frage: Arcade Fire bleiben eine verspielte Kinderband. Eine Band aus großen Kindern, vor allem aber eine Band, die Eltern mit ihren Kindern hören könnten, wenn sie alle keinen Bock mehr auf grenzdebile Kindermusik, die sonst so dank Radio Teddy und Co. den Markt flutet, haben. Im Interview habe ich Butler trotzdem gefragt, ob die kids in Zeiten von Krieg, Klimawandel, Social-Media-Wahnsinn und Co. denn wirklich noch alright sind oder sein werden.

Reginé und Du, Ihr habt einen Sohn, der 2013 geboren wurde. Ist es eine gute Idee, in Zeiten wie diesen überhaupt noch Kinder auf die Welt zu bringen, die wir ihnen da hinterlassen werden? Was denkst Du über die Zukunft Eures Sohnes? Was wünschst Du Dir für ihn?

Win Butler: Unser Song „Generation A“ wurde von ihm inspiriert. Seine Generation ist nach X, Y und Z die Generation Alpha. Wenn er ein Indikator dafür ist, in welche Richtung sich die Kids bewegen, liegt unsere Zukunft in guten Händen. Du sollst von deinen Kindern lernen und nicht versuchen, ihnen etwas beizubringen. Und wir haben von dieser jungen Generation viel zu lernen. Sie sind auf einem guten Weg. Ich hege viel Hoffnung, dass die fucking Generation A sich kümmern wird. Viele von ihnen kommen mit viel offenerem Geist  daher, wissen mehr über die Welt und wie wir alle verbunden sind und they give a shit. Daher kommt viel von meinem Optimismus, dass ich mit Kindern dieses Alters abhänge. Da kommt ein Feuerwerk aus ihnen heraus.

Note to myself und zu Euch: Wir sollten uns trotzdem nicht zu sehr darauf ausruhen, dass unsere Kinder unseren Mist schon wieder in Ordnung kriegen. So sehr wir uns das alle wünschen.

P.S.: Meine Frau hat mir zur Veröffentlichung meines Buches „Väter können das auch!“ ein T-Shirt mit dem Aufdruck „The Kids Are Alright“ geschenkt. Sie hat eben Geschmack!

Die Ausgabe 06/2022 des Musikexpress könnt Ihr hier bestellen sowie am Kiosk kaufen. Das Interview mit Butler inklusive Passagen, die in der Titelgeschichte nicht vorkommen, ist demnächst auf musikexpress.de nachzulesen.

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2 Gedanken zu „The Kids Are Alright: Arcade Fire hoffen, dass die Generation A sich um unsere Welt kümmern wird

    1. Haha schön stumpfe Beleidigung, schalte ich gleich mal frei und frage interessiert zurück: Was genau empfindest Du als Schwachsinn? Wo siehst Du hier „falschen“ Musikjournalismus? Wer ist hier inwiefern ein Wichser und Wichtigtuer? Und: Sprichst Du auch im „echten“ Leben mit Fremden so?

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