Eine niemals endende Würfelwelt

Wie unendlich viele Legosteine, aber als bunte Würfel auf dem Bildschirm: So funktioniert „Minecraft“, das seit seiner Erfindung über 300 Millionen Mal verkauft wurde und damit zu den erfolgreichsten Videospielen aller Zeiten gehört. Kinder und Jugendliche lieben es. Was aber macht „Minecraft“ derart besonders, dass sogar Architektinnen und Stadtplaner damit arbeiten? Mein Text für die Ausgabe 3/2026 von„weil.“, das Kinder-Wirtschaftsmagazin aus dem Carlsen-Verlag. Das Schwerpunktthema lautete „Bauen“.

So sieht sie aus, die Ausgabe 3/2026 von „weil.“ aus dem Carlsen-Verlag

Als der schwedische Programmierer Markus „Notch“ Persson im Jahr 2009 im Alleingang eine Vorabversion seiner Erfindung „Minecraft“ als kostenlosen Download veröffentlichte, ahnte wohl niemand, was für ein weltweites Phänomen schon bald daraus erwachsen würde. Von der ersten Weiterentwicklung verkaufte seine Firma Mojang innerhalb weniger Monate mehrere tausend Stück. Zwei Jahre danach zählten sie bereits eine Million Accounts. Weitere sechs Monate später waren es schon zehn Millionen! Das Software-Unternehmen Microsoft erkannte das Potenzial und kaufte 2014 das Spiel für 2,5 Milliarden US-Dollar – eine der teuersten Übernahmen der Videospielgeschichte! Seitdem hat „Minecraft“ insgesamt über 4,2 Milliarden US-Dollar eingespielt, und ein Ende seiner Beliebtheit ist nicht in Sicht. 2025 kam sogar ein eigener Film in die Kinos.

Fantasie statt Action

Die ebenso einfache wie geniale Idee dahinter: Als sogenanntes Sandbox- sowie Open-World-Spiel sollte „Minecraft“ von jedem Kind der Welt, das einen Computer mit Internetzugang besitzt, genutzt werden können – aber kein Ende haben. Ein Werkzeug für die eigene Fantasie mit schier unbegrenzten Möglichkeiten, vom Bau eines kleinen Hauses über eine Achterbahn bis hin zu ganzen Dörfern und Städten. Während andere Games versuchten, immer realistischer auszusehen, setzte „Minecraft“ auf knallige Pixeloptik und ulkige Figuren. Kreativität war wichtiger als Action, eine gute Story und Level-Fortschritt. 

Was bedeuten die Begriffe „Open World“ und „Sandbox“?
Im Gegensatz zu Jump’n’Run-Spielen, die einen ausschließlichen Weg vorgeben, gleichen Sandbox-Games einem riesigen Spielplatz ohne Level oder vorgegebene Ziele. User entscheiden selbst, was sie wann und wie erkunden möchten, können interagieren oder die Baukasten-Welt verändern. „Minecraft“ hat zwar ein optionales Ziel – den Enderdrachen zu besiegen – aber nach dem Sieg kannst du End-Inseln bereisen, den Drachen erneut beschwören oder einfach weiter bauen. Ein Open-World-Spiel wiederum gleicht einer Abenteuerwelt, in der du ebenfalls viel erforschen kannst. Darin warten auf dich aber eine Geschichte, Aufgaben oder Rätsel, die du lösen sollst.

Schulunterricht und Stadtplanung

In Schulen weltweit wird das Programm im Unterricht eingesetzt, um Mathematik, Geschichte oder Physik zu erklären. Es gibt sogar eine spezielle Bildungsversion namens „MinecraftEdu“, mit der Lehrkräfte eigene Lektionen gestalten können. Manche Schülerinnen und Schüler bauen damit historische Gebäude nach, von der Akropolis in Athen bis zur Chinesischen Mauer. Dabei lernen sie spielerisch etwas über Architektur, Statik und Geschichte.

Und hier wird es richtig interessant: Professionelle Architektinnen und Stadtplaner haben entdeckt, dass „Minecraft“ auch für sie ein geniales Werkzeug sein kann. Einige Architekturbüros nutzen das Spiel als Bau-Software, um erste Entwürfe zu testen, bevor sie aufwendige 3D-Modelle erstellen. An Universitäten arbeiten Architekturstudierende mit „Minecraft“, weil man damit schnell und unkompliziert seine Ideen ausprobieren kann. James Delaney, ein Student aus dem englischen Cambridge, gründete sogar die Firma BlockWorks, die „Minecraft“ für professionelle Projekte nutzt. Er sagt: „Während die Architekten von heute mit Lego aufgewachsen sind, wird die nächste Generation mit ‚Minecraft‘ gespielt haben. Wir dürfen es nicht länger nur als ein Spiel betrachten. Es ist ein Konstruktions-Werkzeug.“

Mit bunten Pixeln mitbestimmen

Das spektakulärste Beispiel aber ist das „Block by Block“-Programm der Vereinten Nationen (englisch United Nations, oder kurz: UN). Seit 2012 hilft die UN damit Menschen in Entwicklungsländern, ihre Wohnorte selbst zu planen. In Armenvierteln oder Flüchtlingslagern im ostafrikanischen Kenia oder in gefährlichen Gegenden von Vietnams Hauptstadt Hanoi haben Bewohnerinnen und Bewohner, darunter oft junge Frauen und Kinder, mit „Minecraft“ ihre Wünsche veranschaulicht: Spielplätze, gute Straßenbeleuchtung, Brunnen oder Parks. Anschließend wurden Architektinnen und Architekten beauftragt, diese Wünsche in die Realität umzusetzen. Mehr als 30.000 Menschen haben bereits an den Workshops teilgenommen, über drei Millionen Menschen in 55 Ländern haben davon bislang profitiert.

Jung und alt vereint

Die Leute von der UN glauben zu wissen, warum das funktioniert: Bei traditionellen Stadtplanungstreffen seien meistens ältere Menschen vertreten. Für Jugendliche sei es sehr schwierig, an solchen Treffen teilzunehmen. Mit „Minecraft“ aber können plötzlich alle mitreden. Das Spiel ist so einfach zu lernen, dass auch Menschen ohne Computererfahrung innerhalb weniger Stunden eigene Entwürfe erstellen können. Mehr noch, in den Workshops erklären oft die Jugendlichen den älteren Teilnehmern, wie es funktioniert. Ein schöner Beweis dafür, dass nicht jedes Computerspiel schadet – wenn man es richtig zu nutzen weiß. Und wer weiß: Vielleicht wirst auch du dank „Minecraft“ und seinen unendlich vielen bunten Würfeln eine Architektin oder ein Architekt von morgen.


+++ Dieser Text erschien in leicht gekürzter Version Anfang Juni in der Ausgabe 3/2026 von „weil.“, das erste Wirtschaftsmagazin für Kinder aus dem Carlsen-Verlag. Ihr Schwerpunktthema lautete „Bauen“. „weil.“ erscheint alle zwei Monate. Ihr findet es in jedem gut sortierten Kiosk – oder online unter www.weil-magazin.de+++

Infokasten-Outtakes:

Die 5 reichweitenstärksten „Minecraft“-YouTuber in Deutschland

Auch für Video-Plattformen wie YouTube und Twitch war „Minecraft“ ein Wendepunkt. Millionen Menschen schauen dort anderen beim Spielen zu. Manche Streamer wurden erst durch ihre „Minecraft“-Videos berühmt. Bis heute zählen diese „Let’s Play“-Clips weltweit über sage und schreibe 1,5 Billionen Aufrufe auf YouTube. Kein Videospiel wurde dort öfter angesehen.

Zu den reichweitenstärksten deutschsprachigen „Minecraft“-YouTubern zählen Paluten (5,7 Millionen Abos), Gronkh (5,03 Mio. Abos), iCrimax (4,18 Mio. Abos), StandartSkill (3,76 Mio. Abos) und Rewinside (3,44 Mio. Abos). Die erfolgreichste YouTuberin, die auch „Minecraft“-Videos dreht, ist AwesomeElina mit 1,07 Millionen Abos.

Die erfolgreichsten Videospiele aller Zeiten 

Aktuell spielen weltweit über 200 Millionen Menschen monatlich „Minecraft“ – vom Grundschüler bis zur Großmutter. 80 Prozent der Kinder unter ihnen tun dies gemeinsam mit Freunden oder der Familie, auf virtuellen Servern oder im eigenen Wohnzimmer. Aktuell dürften nur „Roblox“, „Fortnite“ und „Candy Crush“ mehr monatliche User zählen, die Zahlen variieren je nach Quelle. Auf der Liste der mistverkauften Computerspiele der Welt aber steht „Minecraft“ auf Platz 1, noch vor „Grand Theft Auto V“, „Tetris“ und „Wii Sports“.

Auf welchen Geräten lässt sich „Minecraft“ zu welchem Preis spielen?

Die gute Nachricht: Minecraft gibt es auf fast allen Plattformen. Du bezahlst den Preis nur einmalig. Es fallen keine monatlichen Kosten an. 

Die Preise im Überblick:

PC (Windows, Mac, Linux): Seit 2023 verkauft Mojang beide Editionen (Java und Bedrock) im Paket für ca. 22-30 Euro

Spielkonsolen: PlayStation und Xbox für ca. 19-29 Euro, Nintendo Switch ab ca. 24 Euro

Smartphones & Tablets: Die Pocket Edition für Android, iOS und iPadOS kostet ca. 7 Euro

Achtung: Es gibt zwei Editionen, die im Online-Spiel mit Freunden nicht kompatibel sind. Die Java Edition (nur PC) kann mit Community-Mods verändert werden. Die Bedrock Edition ermöglicht plattformübergreifendes Spielen zwischen Konsole, Handy und PC.

„Minecraft“-Alternativen

Deine Eltern erinnern sich bestimmt noch an die Vergnügungspark-Simulationen „Roller Coaster Tycoon“ und „Theme Park“ oder den Städtebau-Simulator „Sim City“. Als heutige  „Minecraft“-Alternativen für Kinder und Einsteiger eignen sich, teilweise mit Abstrichen, Games wie „Lego Worlds“, „Blocksworld“, „Animal Crossing“, „Tiny Glade“ oder „Core Keeper“. Wie eine kostenlose Open-Source-Version von „Minecraft“ mutet „Luanti“ an.

3 Begriffe, die elementar für ein „Minecraft“-Grundverständnis sind

Crafting bedeutet, dass man aus gesammelten Materialien (wie Holz oder Stein) neue Gegenstände herstellt – zum Beispiel Werkzeuge, Waffen oder Möbel.

Villagers sind friedliche Computerfiguren, die in Dörfern (englisch village) wohnen, dort verschiedene Berufe haben und mit denen man Gegenstände tauschen kann.

Der Nether ist eine Art Unterwelt in Minecraft – dunkel, gefährlich, voller Lava und Monster, die man nur durch ein besonderes Portal erreicht.

Wie sicher ist „Minecraft“?

Altersfreigabe: Minecraft hat von der USK eine Altersfreigabe ab 6 Jahren (nur im Kreativmodus). Für den Überlebensmodus wird ein Alter von 10 bis 12 Jahren empfohlen, da Kinder hier kämpfen müssen.

Gewalt: Es gibt keine stark gewalttätigen Szenen. Spieler können im Überlebensmodus sterben, grafisch dargestellt ist dies jedoch nicht.

Suchtgefahr: Minecraft kann viel Zeit beanspruchen. Bei größeren Bauprojekten vergessen Kinder oft die Zeit und können sich aufgrund ihrer Hirnentwicklung schwer selbst Grenzen setzen.

Online-Risiken: Auf offenen Servern können Kinder über Chat Kontakt zu Fremden haben. Jüngere Kinder sollten am besten im Solo-Modus ohne Chatfunktionen spielen.

Kostenfallen: Das Spiel enthält In-Game-Käufe für Skins und Bonusinhalte. Diese können in den Kontoeinstellungen mit Passwort geschützt oder deaktiviert werden.

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